Was sind denn das für Geschäfte?
Leserbrief zum Artikel in der Hunsrücker Zeitung vom 21.10.2006 "Hahn im Aufwind"

Leserbrief wurde von der Hunsrücker Zeitung nicht veröffentlicht!

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Mammut-Zahlenwerke wie sie die Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH jetzt veröffentlicht hat, werden in der Regel verwendet, um Politiker, Behörden oder die Öffentlichkeit zu täuschen, die Vergabe von Fördermittel nachträglich zu rechtfertigen, die Bereitschaft für die Gewährung von neuen Fördermitteln zu fördern und/oder um irgend etwas zu vertuschen.

Passagierzahlen, Frachtzahlen, Flugbewegungen, Flugziele im Detail und auch noch mit Prozentangaben.

Aber im ganzen Bericht keine einzige Zahl mit dem Eurozeichen hintendran.

Wo sind die Angaben zum Umsatz, zum Betriebsergebnis, zu Gewinn- und Verlust?

Werden diese etwa verschwiegen, weil die Verluste gegenüber dem letzten Jahr schon wieder zugenommen haben?

Zur Erinnerung: Im "Boomjahr 2005" betrugen die Verluste der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH knapp 16 Millionen Euro. Einen Hinweis auf die Entwicklung im "Boomjahr 2006" lieferte der Halbjahresbericht der Frankfurter Fraport AG.
Danach hat der Verlust des Hahn im ersten Halbjahr 2006 gegenüber dem ersten Halbjahr 2005 schon wieder um 11,5 Prozent zugenommen.

Steigende Passagierzahlen, steigende Frachtzahlen, steigende Flugbewegungszahlen und die Folge davon sind steigende Verluste.
Da muss die Ankündigung des Geschäftsführers, Herrn Schumacher, dass im vierten Quartal die Passagier- und Frachtzahlen noch weiter steigen, für seinen Finanzchef, Herrn Wulf geradezu eine Hiobsbotschaft sein.

Und ich frage mich: Was sind das bloß für Geschäfte, bei denen durch mehr Umsatz die Verluste steigen?



Im Bericht fehlen auch die Angaben zum erfolgreichsten Geschäftssegment mit den höchsten Steigerungsraten - der Militärlogistik.

Neben dem hochdefizitären Geschäft mit Ryanair macht die Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH hauptsächlich Geschäfte mit dem Militär. Das amerikanische Pentagon und die Hardthöhe sind zahlungskräftige Kunden am Zivilflughafen Hahn. Die "Militärlogistik" am Konversionsflughafen Hahn boomt, weist von allen Geschäftssegmenten die höchsten Steigerungsraten auf.

Allein im August 2006 wurden durch das "Air Mobility Command" im Auftrag der "US-Airforce" über die Ex-US-Airforcebase Hahn überwiegend nachts über 150 Flüge in die USA oder nach Kuwait mit ca. 22.500 amerikanischen Soldaten und ca. 700 to militärischen Nachschubgütern abgewickelt.
In den ersten acht Monaten bereits ca. 110.000 GIs oder einem Plus von ca. 136 % und ca. 7.000 to Transitfracht oder einem Plus von ca. 200 %.

Die Bundeswehr wickelt seit Oktober 2005 über den Zivilflughafen Hahn monatlich zwischen 20 und 30 Flüge mit militärischen Nachschubgütern für die ISAF-Truppen in Afghanistan, Uzbekistan und anderen Ländern in Zentralasien ab. Die Militärfracht und die Transitfracht der Amerikaner dürfte die Ursache für die Steigerung bei der geflogenen Luftfracht sein.


Warum wird dieses für den Hahn so enorm wichtige Geschäftssegment der Militärlogistik komplett von der Berichterstattung ausgeschlossen?


Schämt man sich seitens der Geschäftsleitung der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH etwa für die Geschäfte mit dem amerikanischen und dem deutschen Militär?


Befürchtet man Imageschädigung, wenn offenkundig wird, dass die Geschäftsleitung der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH keine Skrupel hat, mit der logistischen Unterstützung der amerikanischen Truppen im völkerrechtswidrigen Krieg im Irak ihre durch die Billigfliegerei mit Ryanair verursachten Millionenverluste zu vermindern?


Mir stellt sich die Frage: Wie schlecht muss es dem Flughafen Hahn gehen, dass er es nötig hat, insbesondere mit dem US-Militär Geschäfte zu machen?


Olaf Simon, Altlay


PS: Es stellt sich auch die Frage, warum auch dieser Leserbrief, genauso wie andere Leserbriefe, die sich kritisch mit dem Flughafen Frankfurt-Hahn befassen, mal wieder von der Hunsrücker Zeitung nicht veröffentlicht wurde?