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Abmahnung für Ryanair wegen zu hoher Gebühren

Der irische Billigflieger Ryanair hat nach Recherchen von SWR3 erneut überhöhte Gebühren bei Abflügen aus Deutschland berechnet. Das Unternehmen ist deswegen von der Wettbewerbszentrale in Bad Homburg abgemahnt worden. SWR3-Redakteur Stefan Troendle hat alle Fakten zusammengetragen.

Die Praktiken bei Europas größter Billigfluglinie sind zumindest fragwürdig. Ryanair hat seinen Passagieren bei der Buchung höhere Luftsicherheitsgebühren in Rechnung gestellt, als eigentlich anfallen. Diese Gebühr wird vom Bundesverkehrsministerium für jeden Flughafen individuell festgelegt, ist dann aber für jeden Passagier gleich hoch. Nur nicht bei Ryanair: Da war die Gebühr ein bisschen höher, wurde aber trotzdem als Bundessteuer ausgewiesen. Die Konsequenz, so Hans-Frieder Schönheit von der Wettbewerbszentrale in Bad Homburg: "Wir mahnen Ryanair ab, weil wir es für eine irreführende und damit wettbewerbswidrige Praxis halten, Steuern anzugeben, die in dieser Form tatsächlich von Seiten des Gesetzgebers nicht festgelegt sind." Das heißt: Ryanair muss auch künftig seine Gebühren auf die vom Bundesverkehrsministerium festgelegte Höhe anpassen. Andernfalls riskiert die Fluggesellschaft laut Hans-Frieder Schönheit in der Zukunft Ordnungsgelder in Höhe von bis zu 250.000 Euro.

Aufschlag höher als echte Gebühren



Fluggäste in Friedrichshafen haben 70 Cent mehr gezahlt, der Unterschied bei Flügen vom Baden-Airpark in Karlsruhe: etwas mehr als 1 Euro. Besonders krass aber war der Unterschied bei den sogenannten 1-Cent-Flügen, mit denen das Unternehmen wirbt. Im Gegensatz zu teureren Flügen hat Ryanair dann nämlich 10 Euro "German Government Tax" verlangt, am Beispiel Hahn im Hunsrück bedeutete das eine Differenz von 5,65 Euro. Denn dort fallen lediglich 4,35 Euro Luftsicherheitsgebühr an. Das heißt: Der Aufschlag war höher als die eigentliche Gebühr und das nicht zum ersten Mal.


Ähnliche Fälle in der Vergangenheit

Das irische Billig-Unternehmen hatte vor zwei Jahren nämlich schon einmal überhöhte Gebühren berechnet. Nach einem SWR3-Bericht wurden diese aber sofort auf die tatsächliche Höhe gesenkt, Ryanair sprach anschließend von einem Fehler in der Verwaltung. Auch deswegen bewerten Fachleute das Vorgehen von Ryanair eher kritisch. Ronald Schmidt, Professor für Luftrecht an der Uni Darmstadt, glaubt nicht so recht an Zufall: "Es ist nicht auszuschließen, dass es ein gewisses System hat." Preise korrigiert

Ryanair hat 2006 nach eigenen Angaben 42,5 Millionen Passagiere befördert und strebt dieses Jahr die 50-Millionen-Marke an. Angenommen, bei jedem Passagier würden 50 Cent zuviel berechnet, dann könnte die Fluglinie auf diese Weise jährlich 25 Millionen Euro mehr kassieren. Ryanair hat inzwischen eingeräumt, zu hohe Gebühren berechnet zu haben. Außerdem hat die Fluglinie bestätigt, die auf der Buchungsseite ausgewiesenen Luftsicherheitsgebühren nach der Anfrage von SWR3 nach unten korrigiert zu haben. Warum die den Passagieren in Rechnung gestellten Gebühren aber bereits zum zweiten Mal in zwei Jahren höher waren, als die vom Bundesverkehrsministerium festgelegten Beträge, hat Ryanair nicht gesagt.

Bei der ersten Auffälligkeit 2006 hatte Ryanair noch von einem Fehler in der Verwaltung gesprochen. In einer aktuellen Stellungnahme von Airline-Pressesprecher Peter Sherrard heißt es allerdings, Passagiere müssten vor der Buchung immer dem Gesamt-Flugpreis zustimmen, insofern spiele das keine besondere Rolle. Eine Entschädigung für Fluggäste, welche die höhere Gebühr entrichtet hätten, werde es aus diesem Grund nicht geben. Man kann sich dann aber fragen, warum der irische Billigflieger Gebühren extra ausweist, anstatt gleich Komplettpreise anzugeben.

Flughafen Ryanair berechnete
bis 28.2.2008
Offizielle
Luftsicherheits-
gebühr
Differenz
Berlin-Schönefeld 5,78 5,29 0,49
Karlsruhe 5,30 4,26 1,04
Niederrhein 3,19 2,97 0,22
Friedrichshafen 6,50 5,80 0,70
Lübeck 4,50 4,08 0,42
Altenburg 5,70 5,31 0,39
Hahn 10,00* 4,35 5,65
Bremen 10,00* 4,31 5,69
* bei Sonderaktionen für 1 Cent

(SWR vom 28.02.2008)