Newsletter anfordern
Newsletter
anfordern!

drucken

Der flüge(l)lahme Provinzflughafen Hahn trudelt ungebremst dem Crash entgegen!
Flughafen Frankfurt-Hahn 2023: Frachtrückgang um 70.527 to bzw. 31,93 %

Die Gesamtfracht ist am Flughafen Frankfurt-Hahn im Jahr 2023 um 70.527 to bzw. 31,93 % von 220.856 to auf nur noch 150.329 to zurückgegangen.

Das Lokalaufkommen fiel um 63.024 to bzw. 32,40 % von 194.540 to auf 131.516 to.

Das Transitaufkommen fiel um 7.503 to bzw. 28,51 % von 28.316 to auf 18.813 to.

(Quelle: Statistik Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen)


Bunter Strauß an angeblichen Gründen

Als Gründe für den Rückgang wurde von dem neuen Eigentümer, Herrn Peter Adrian und dem Geschäftsführer der Triwo Hahn Airport GmbH, Herrn Rüdiger Franke, ein bunter Strauß an Begründungen geliefert.


1. Behauptung: Einschränkungen von Flugverbindungen nach China?

Als erstes waren es angebliche Beschränkungen von Flugverbindungen von China zum Flugplatz Hahn.

",… wenn aufgrund einer geänderten China-Strategie der Bundesregierung auf dem Hahn plötzlich zehn von fünfzehn von heute auf morgen wegfallen und dieselben Maschinen aus China nun nicht mehr auf dem Hahn, sondern auf dem Flughafen in Lüttich landen."

Widerlegt:

Diese Schutzbehauptung wurde durch die Bürgerinitiative gegen den Nachtflughafen Hahn nach Auswertung der Luftverkehrsstatistiken des Statistischen Bundesamtes widerlegt. In der Zeit von Januar bis August 2023 gab es lediglich 3 Landungen mit dem Herkunftsland China und überhaupt keinen Start mit dem Zielland China.



2. Behauptung: 10 von 15 wöchentlichen Flügen von Silk Way Airlines wurden von Hahn nach Lüttich verlagert?

Als nächstes wurde seitens des Airport-Managements behauptet, dass Flüge des Hahner Hauptkunden Silk Way Airlines vom Flugplatz Hahn zum Frachtflughafen in Lüttich verlagert wurden.

"… dass man den Flugbetrieb des Hahn-Hauptkunden Silk Way Airlines um zwei Drittel reduzieren werde. Statt der wöchentlich 15 Abflüge seien nur fünf genehmigt worden. Grund ist das Luftfahrtabkommen mit Aserbaidschan, wo die Frachtfluggesellschaft ihren Sitz hat."

Widerlegt:

Diese Aussage lässt sich anhand der Flugpläne von Silk Way Cargo widerlegen. Die Auswertung aller Flüge der 14 Frachtmaschinen von Silk Way Airlines (7 x B 747-400, 5 x B 747-800 und 2 x 777-300) ab Kalenderwoche (KW) 4/2024 zeigt, dass es bspw. in der KW 4/2024 lediglich 2 Flüge zwischen Lüttich und Baku gab. In KW 5 und KW 6 jeweils 3 und in KW 7 und KW 8 jeweils 5. In 5 Wochen in Summe 18 und nicht 60 wie erwartet.

In Hahn gab es hingegen in der KW 4 und KW 5 jeweils 7 und in den KW 6 und 7 jeweils sogar 8 Flüge und in KW 8 nochmals 6 Flüge von Hahn nach Baku, wo doch angeblich nur 5 genehmigt sind. In Summe 36, also doppelt so viele wie zwischen Lüttich und Baku.

Hinzu kommt, dass Silk Way Cargo den Flughafen Lüttich bereits seit 2018 im Linienflugbetrieb mehrmals wöchentlich anfliegt. Es ist sehr gut möglich, dass die von uns registrierten Flüge zwischen Lüttich und Baku überhaut keine Flüge sind, die von Hahn nach Lüttich verlagert wurden.


3. Erklärung (Ausrede): Genereller Rückgang an dem wir jetzt auch nicht spurlos vorüber kommen

Auf den Fracht-Rückgang angesprochen erklärte Hahn-Geschäftsführer Franke gegenüber 17.30live:

"Ja, die Fracht ist generell in der Weltwirtschaft ein Problem geworden, auch in Deutschland und am Hahn. Dass der Rückgang erheblich geworden ist gegenüber dem Vorjahr und auch natürlich bezogen auf die Corona Jahre, die allerdings auch kein Vergleichsmaßstab sein können. Dort wurde ja wenig Passagierbetrieb gemacht, aber dafür umso mehr Cargo. Sie erinnern sich? Masken, Medizin wurde alles eingeflogen. Deswegen ist es ja ein genereller Rückgang an dem wir jetzt auch nicht spurlos vorüber kommen."


4. Erklärung (Ausrede): Derartige Zyklen sind in der Luftfahrtbranche normal

Die Hahn-Hunsrück-Zeitung meldete, dass das Airportmanagement ihnen gegenüber erklärt hätte, dass Schwankungen im Frachtbereich normal seien. Der Airport-Betreiber wird mit den folgenden Aussagen zitiert.:

"Während der Corona-Zeit gab es fast ausschließlich Frachter, diese Kapazitäten sind natürlich wieder zurückgegangen, daher sind die aktuellen Schwankungen völlig normal."

und

"Derartige Zyklen sind aber in der Luftfahrtbranche normal."

Diese Aussagen werden unterlegt mit dem Hinweis auf Rückgänge bei der Fracht an den Flughäfen Köln-Bonn und Frankfurt.

Dass die Fracht 2023 in Köln-Bonn nur um 10,3 % und in Frankfurt sogar nur um 3,9 % zurückgegangen ist, wurde allerdings verschwiegen. Auch wurde verschwiegen, dass sich an beiden Flughäfen die Frachtmenge im Laufe des Jahres positiv entwickelte, während am Hahn die Frachtmenge mit steigender Tendenz zurückging.


Anzeichen missachtet oder verdrängt: Größter Hahner Frachtkunde Silk Way Cargo verkauft bereits 2021 eigenes Frachtabfertigungsunternehmen Hahn-Cargo GmbH

Bereits in unserem Newsletter vom 06.09.2023 hatten wir darauf hingewiesen, dass der größte Frachtkunde der Triwo Airport Hahn GmbH, die aserbaidschanische Silk Way Cargo bereits 2021 ihre Anteile an dem auf dem Flugplatz Hahn ansässigen und von ihr genutzten Frachtabfertigungsunternehmen Hahn-Cargo GmbH an die ASC Business Avitation LLC mit Sitz in Baku/Aserbaidschan übertragen hat und dies nach unserer Auffassung ein Indiz dafür gewesen war, dass Silk Way Cargo beabsichtigte, sukzessive ihre Aktivitäten am Flugplatz Hahn zu reduzieren.

Resümee

Es zeigt sich am Hahn einmal mehr, dass man sich fast alles schön reden und schreiben kann, nur nicht die Realität. Auch mit Schuldzuweisungen ist man immer schnell bei der Hand. Aber wahrscheinlich sind die Protagonisten am Hahn, und das nicht erst seit heute, Anhänger alternativer Fakten. Bekanntlich endet deren Gültigkeit spätestens beim völligen Zusammenbruch. Dumm nur, wenn dann wieder einmal keiner etwas gewusst haben will. In Deutschland hat das bekanntlich Tradition.

(Newsletter der BI Nachtflughafen Hahn vom 29.02.2024)