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Wer hält dem Hahn die Treue?
Von Ryanair bis Yangtze River Express Ein Überblick


Einige Firmen haben dem krisengeschüttelten Flughafen Hahn in den vergangenen Monaten den Rücken gekehrt. Doch eine ganze Reihe von Airlines und zwei Frachtabfertiger halten ihm die Treue.

Von dpa-Mitarbeiter Christian Schultz

Hahn. Minus im Passagiergeschäft, Minus bei der Fracht, Airlines auf dem Absprung: Der Flughafen Hahn musste 2013 einige Hiobsbotschaften verkraften. Insgesamt zählte er 2,7 Millionen Fluggäste, vier Prozent weniger als 2012. Die Frachtmenge schrumpfte um 27 Prozent auf rund 152 000 Tonnen. Hinzu kam die Insolvenz der Fracht-Airline Air Cargo Germany (ACG), die russische Gesellschaft Aeroflot stellte ihre Frachtflüge zum Hahn ein, Qatar Airways Cargo aus dem Emirat Katar ging. Zuletzt kündigte noch der Frachtabfertiger Fraport Cargo Services (FCS) seinen Abgang an. Wer hält dem Hunsrück-Airport noch die Treue? Eine Bestandsaufnahme.

Das auf Low Cost ausgerichtete Passagiergeschäft am Hahn dominiert seit Jahren der irische Billigflieger Ryanair. Im Dezember hat Ryanair angekündigt, den Flugbetrieb am Hahn abzuspecken und mehrere Strecken zum Sommerflugplan 2014 zu streichen. Außerdem fliegen nach Angaben von Flughafensprecherin Bianca Waters noch Wizz Air aus Ungarn und die Lufthansa-Tochter Sun Express in den Hunsrück.

Im Cargo-Geschäft steuern laut Waters zurzeit vier Airlines den Hahn an. Yangtze River Express aus China kommt demnach auf fünf bis acht Flüge pro Woche, Silkway Airlines aus Aserbaidschan auf drei bis vier, Nippon Cargo Airlines aus Japan auf drei. Regelmäßig zu Gast sind außerdem Maschinen der US-amerikanischen Atlas Air.

Hinzu kommen fünf bis sechs Gesellschaften, die in unregelmäßigen Abständen landen, zum Beispiel Air Armenia, Egyptair Cargo und Centurion Air Cargo (USA). "Da es sich hier um Charterverkehre handelt, ist schwer zu sagen, wie oft sie hier sind", sagt Waters. Das könne zehn Mal im Monat sein, aber auch nur einmal im Monat. "Das variiert immer."

Für die Frachtabfertigung sind nach Flughafenangaben neben FCS, das seinen Standort im Hunsrück in diesem Jahr aufgeben will, noch zwei Unternehmen zuständig - VG Cargo sowie Hahn Cargo Services (HCS). HCS ist eine Tochter der Silkway Airlines GmbH in Frankfurt, die der gleichnamigen aserbaidschanischen Airline untersteht.

Sowohl HCS als auch VG Cargo scheinen an den Hahn zu glauben. VG Cargo baute eine neue Frachthalle, verfügt nach eigenen Angaben über eine Fläche von 20 000 Quadratmetern und beschäftigt 140 Mitarbeiter.

Bei HCS blickt Chef Robert Kurth betont optimistisch nach vorne. Die abgefertigte Frachtmenge seines Unternehmens sei von 35 000 Tonnen 2012 auf etwa 36 500 Tonnen 2013 gestiegen. Im laufenden Jahr erwarte er ein Plus beim Umsatz als auch der Frachtmenge. HCS zählt 54 Mitarbeiter, erklärt Kurth. 24 erledigen in der Dokumentation Papierarbeit, drei zählen zur Verwaltung, der Rest arbeitet direkt mit der Fracht in der Halle. Gleichwohl muss auch der HCS-Chef einräumen, dass die vergangenen Monate nicht gerade leicht waren. "Wir haben ein sehr schwieriges erstes Halbjahr hinter uns gebracht inklusive Kurzarbeit", sagt er mit Blick auf 2013.

Dass FCS nun den Hahn verlasse, hält er nicht weiter für problematisch. Das Unternehmen sei HCS-Kunde gewesen, dessen Anteil am HCS-Umsatz zuletzt nur noch bei zwei bis drei Prozent gelegen habe. Positiv sei aber, dass Silkway Airlines demnächst zwei weitere Flieger erhalte und den Hahn dann bis zu acht Mal in der Woche anfliege. Abfertigungskapazitäten dafür habe HCS mit seinen 8000 Quadratmetern allemal. Derzeit seien sie zu 40 Prozent ausgelastet. Grundsätzlich habe der Hahn eine 24-Stunden-Betriebsgenehmigung und dank der ausgebauten Bundesstraße 50 eine tolle Infrastruktur. "Er ist attraktiv, das wird aber nicht überall gehört", sagt Kurth.

Ähnlich hatte das im November auch der neue Hahn-Geschäftsführer Markus Bunk ausgedrückt. "Wir liegen ein bisschen abseits. Das ist ein Vorteil, weil wir mit unserer Rund-um-die-Uhr-Genehmigung nur wenige stören. Das den Kunden klarzumachen, ist die Arbeit, die dahintersteckt", sagte er damals im dpa-Interview. "Frankfurt hat es mit seinem Namen leichter, wir müssen vielen erklären, wer und wo wir sind und was wir können."

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sieht den Airport ungeachtet aller Probleme auf einem guten Weg auch wegen der neuen Geschäftsführung und einem professionalisierten Aufsichtsrat, wie sie jüngst betonte. "Der Hahn ist ein kompliziertes Thema, aber wir sind nicht die einzigen", sagte sie. Auch andere Länder hätten Probleme mit Regionalflughäfen.

(Pälzischer Merkur vom 20.01.2014)