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Wer profitierte von Geschäften am Hahn? Umstrittene Verträge des Hunsrück-Flughafens waren jederzeit kündbar


Von Markus Lachmann

LAUTZENHAUSEN - Der Flughafen Hahn versinkt im Chaos. Gegenseitige Anfeindungen im Betrieb, Kunden, die das sinkende Schiff verlassen, mögliche Unregelmäßigkeiten und eine Politik in Mainz, die offenbar mit dem Krisenmanagement überfordert ist.

Am Mittwoch eskalierte es weiter: Zwölf Mitarbeiter sprechen in einem Brief an Ministerpräsidentin Dreyer von einem "kriminellen System" und "Mobbing" des alten Flughafen-Managements unter Jörg Schumacher. Wer seinerzeit auf Missstände hingewiesen habe, sei "rücksichtslos" aus dem Unternehmen entfernt worden. Kam also mit dem neuen Geschäftsführer Heinz Rethage im vergangenen Jahr ein Aufräumer, der endlich den "Sumpf" trocken legte? Vielleicht.

"Traumrenditen"

Allerdings lassen Details aus den umstrittenen Auftragsvergaben aus dem Jahr 2009 aufhorchen. Dabei geht es vor allem um eine Vertragsverlängerung des Flughafens mit der externen Firma SSD für die Passagierabfertigung. Dieser Komplex wird derzeit von der Staatsanwaltschaft Koblenz untersucht. Es besteht der Verdacht der Untreue gegen Ex-Hahn-Geschäftsführer Schumacher sowie zwei Mitarbeiter. Der Vorwurf: Weil der Auftrag nicht ausgeschrieben wurde, soll ein "nicht bezifferbarer Vermögensnachteil" für den Airport entstanden sein. Angeblich, so Medienberichte, sei dem Hahn alleine im Jahr 2013 durch diesen lukrativen Vertrag mit "Traumrenditen" für die SSD "von über 40 Prozent" ein Schaden von 500.000 Euro entstanden.

Nur: Warum hat "Aufräumer" Rethage, seit Januar vergangenen Jahres im Amt, diesen angeblich nachteiligen Vertrag für den Flughafen nicht gekündigt? Denn das wäre jederzeit möglich gewesen. Dieser Zeitung liegen Auszüge der verschiedenen Vertragswerke zwischen Flughafen Hahn GmbH und der Firma SSD vor. Interessant: Bei einer Vertragsergänzung am 21. Dezember 2007 und 3. Januar 2008 vereinbarten beide Vertragsparteien eine beiderseitige Kündigungsfrist von sechs Monaten zum Monatsende. Hätte Rethage, der den Vertrag mit der SSD öffentlich stark kritisiert hatte, diesen nicht längst kündigen müssen, um einen Schaden vom Flughafen abzuwenden?

Deal mit Darlehen

Weiterer Punkt: die Vertragsverlängerung vom 21. und 23. April 2009 dieses Dokument ist ein Kernpunkt der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen. Es sah einen Preisnachlass der SSD für die Flughafen Hahn GmbH von sechs Prozent vor. In einer früheren Vertragsergänzung hatte man acht Prozent vereinbart, diese Regelung aber im September 2008 wieder fallen lassen. Jedenfalls dürfte dieser neuerliche Preisnachlass von sechs Prozent dem Flughafen internen Unterlagen zufolge jährliche Einsparungen von rund 200.000 Euro gebracht haben.

Zudem wurde zeitgleich die Übernahme der Handgepäckkontrolle von der Fraport-Tochter Frasec zur SSD vereinbart. Einsparungen für den Flughafen Hahn im Jahr dadurch: Rund 190.000 Euro. Überdies verzichtete die SSD gegenüber dem Flughafen auf Zinsen von 28.500 Euro. Dabei ging es um ein Darlehen in Höhe von 190.000 Euro, das die SSD im September 2008 dem Flughafen gewährte. Wie diese Zeitung erfuhr, handelte es sich um eine Art Deal: Die SSD hilft dem klammen Airport aus der Patsche, dadurch verzichtete der Flughafen in jenem September 2008 auf den ursprünglich gewährten Preisnachlass von acht Prozent. Dieser Deal wurde von dem von Fraport entsandten Geschäftsführer Klettenheimer ausgehandelt.

Internen Kalkulationen sollen falsch sein

Wie es weiter heißt, sollen die Hahn-internen Kalkulationen, die eine Rendite von 46 Prozent ausweisen, falsch sein die Zahl ist deutlich niedriger. Zudem ist keiner der Beschuldigten oder deren Angehörige Gesellschafter oder Treugeber der SSD. Ein Gesellschafter hält sämtliche vier Anteile der Firma, es handelt sich dabei um die Hahn Flight Service GmbH (HFS), deren Geschäftsführer Timo Bohr ist. Dieser ist wiederum Sohn des bekannten Hunsrücker Busunternehmers Günter Bohr. Neben der HFS gibt es noch einen Treugeber, der nicht aus der Hunsrück-Region stammt. Dieser und die HFS teilen sich die Gewinne zur Hälfte.

Bleibt noch der Vorwurf, dass die Ehefrau des Hahn-Prokuristen, der 2009 die Vertragsverlängerung unterzeichnete, kurze Zeit später sämtliche Anteile an der SSD übernahm. Vor der Übernahme wurde der Aufsichtsratschef informiert. Vetternwirtschaft? Wie es heißt, konnten an die Frau gar keine Gewinne abfließen, weil sie die Anteile treuhänderisch hielt für die Firma HFS.

(Allgemeine Zeitung vom 03.04.2014)