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"Millionen verbrannt"


HAHN Kredite für Pleite-Unternehmen am Flughafen sorgen für Wirbel

Von Markus Lachmann

Wurden an die Air Cargo Germany (ACG) leichtfertig Darlehen vergeben? Der Bund der Steuerzahler Rheinland-Pfalz argwöhnt, es seien öffentliche Gelder in Millionenhöhe "verbrannt" worden. Im Visier hat er die früheren Verantwortlichen des Flughafens Hahn und die landeseigene Förderbank ISB. Doch diese weisen die Kritik zurück.

Darum geht es: Die am Hahn angesiedelte Frachtairline ACG musste im Mai dieses Jahres Insolvenz anmelden. Erst kurz davor hatte der Airport dem Unternehmen unter die Arme gegriffen. Es bestanden Forderungen gegen die ACG in Höhe von 5,2 Millionen Euro. 200 000 Euro davon zahlte die Airline, den Rest wandelte die Flughafen Hahn GmbH in einen Kredit um. Das war zum 1. Oktober 2012.

Kredite bedient

Aus dem Umfeld der früheren Hahn-Geschäftsführer um Jörg Schumacher und Wolfgang Pollety verlautet, die Umwandlung von Forderungen in ein Darlehen sei ein üblicher Vorgang. Hätte man die Forderungen eingetrieben, wäre die ACG und damit der größte Frachtkunde "platt" gemacht worden.

Noch bis zum April 2013 bediente die ACG das Darlehen. Zweifel wuchsen bei der Flughafen Hahn GmbH aber offenbar schon nach wenigen Monaten. Denn bereits zum 31. Dezember 2012 wurden 50 Prozent des Kredites wertberichtigt, weitere 50 Prozent dann im März.

Hätte der Airport den Kredit überhaupt gewähren dürfen? Schließlich schrieb die ACG, wie den Jahresabschlüssen zu entnehmen war, fortlaufende Verluste. Und fand eine Bonitätsprüfung statt? Aus einer Antwort von Hahn-Geschäftsführer Heinz Rethage an den Steuerzahlerbund geht das nicht hervor. Wie Rethage schreibt, habe der Airport die ACG anhand deren Business- und Liquiditätsplanung 2012 bis 2015 beurteilt. Ein externer Berater habe die Planung als "ambitioniert", aber nicht unrealistisch" eingeschätzt. Zudem habe die Airline die Betriebsgenehmigung des Luftfahrt-Bundesamtes gehabt.

Und die Sicherheiten für das Darlehen? In einer Klausel sei festgehalten worden, dass der Kredit sofort fällig geworden wäre, hätte die ACG den Hahn als Heimatbasis aufgegeben. Steuerzahler-Geschäftsführer René Quante ist der Meinung, "dass der Hahn in leichtfertiger Weise selbst für den Millionenschaden verantwortlich ist". Dies zielt auf Schumacher und Pollety. Diese hatten das Kreditvorhaben damals im Hahn-Aufsichtsrat vorgestellt.

Die Förderbank ISB hatte der ACG bereits im Jahr 2009 ein Darlehen von 2,6 Millionen Euro gewährt und dieses nach dem Ausstieg einer Privatbank im März 2011 um 2,4 Millionen Euro erhöht. Die Privatbank sei aus geschäftspolitischen Gründen abgesprungen, sagt ISB-Chef Ulrich Dexheimer. Der Kredit sei über eine stille Abtretung von ACG-Forderungen besichert worden, das sei banküblich.

Doch hätte nicht auch die ISB die schlechten Geschäftszahlen der ACG sehen müssen? Laut Dexheimer war die ACG eine Existenzgründung, die erst 2009 ihren Geschäftsbetrieb aufgenommen habe. Deshalb habe sich die ISB wie bei jedem Start Up die entsprechenden Planungen und das Geschäftsmodell geben und erläutern lassen. "Wir haben einen externen Wirtschaftsprüfer hinzugezogen", so Dexheimer. "Wir und er sind nach einer sorgfältigen Kreditprüfung zu dem Ergebnis einer positiven Prognose gekommen."

So habe die ACG zuletzt auch 200 Millionen Euro Umsatz gemacht, und bis März 2013 ihre Zinsen bezahlt. Dexheimer: "Wir hatten überhaupt keinen Grund, zu glauben, dass die ACG Insolvenz anmelden wird." Als der ACG dann die Lizenz des Luftfahrtbundesamtes entzogen worden sei, habe die ISB den Kredit im April 2013 noch im Jahresabschluss 2012 wertberichtigt.

(Allgemeine Zeitung vom 10.10.2013)