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Konsequent auf Erweiterung setzen

Thomas Torkler über den Steigflug des Hahns

Schon wieder eine Erfolgsmeldung über den Flughafen Hahn. Die Steigerungen bei den Passagierzahlen hören nicht auf.

Gleichzeitig hört man immer wieder davon, dass einzelne Ziele vom Flugplan verschwinden. Man muss das sicher differenziert sehen. Da werden Strecken geschlossen, die Omni-Air macht mit ihren Ami-Soldaten auch nicht mehr Station auf dem Hahn. Gleichzeitig zählt man dort aber im August so viele Passagiere wie nie. Wizz-Air schließt Budapest. Ryanair macht die Route Budapest kurz darauf wieder auf. Die Iren sind die alles bestimmende Fluglinie auf dem Hahn wie Lufthansa in Frankfurt und wie Air France in Paris. "Wenn Ryanair hier weggeht, haben wir ein Problem", gibt Hahn-Geschäftsführer Schumacher unumwunden zu. Wenn Lufthansa Frankfurt verlässt, hat die Fraport ein Problem. Die Bürgerinitiative Nachtflughafen Hahn legt ihren Finger in die Wunde, wenn Ryanair mal wieder Strecken dichtmacht, weil diese nur zu 50 Prozent ausgelastet sind. Dabei ist genau das das Geschäftsmodell der Iren. Es funktioniert nicht bei 50 Prozent Auslastung. Wie lange mag es dauern, bis in Europa alle Strecken von Ryanair auf- und wieder zugemacht sind? Lässt sich so der "Todeszeitpunkt" des Hahns hochrechnen?

Die Prognosen im Luftverkehr sprechen eine andere Sprache. Man redet bereits vom Ende der Kapazitäten in Frankfurt, da haben sie in Rhein-Main noch nicht ihre vierte Startbahn in Betrieb genommen. Wie sehr der Luftfahrtmarkt boomt, verdeutlicht vielleicht die Frage, welche RyanairStrecke ab Hahn am besten ausgelastet ist: Nicht LondonStanstead, nicht Dublin, nicht Rom, sondern Porto! Marrakesh rangiert dicht dahinter. Es bringt nichts, darauf zu lauern, bis wieder einmal eine Route eingestampft wird, und dann zu sagen: Siehste, der Hahn ist viel zu sehr abhängig von einer Fluggesellschaft. Die Abhängigkeit von Ryanair besteht. Das Geschäftsgebaren der Iren ist knallhart. Aber es ist auch erfolgreich. Und dieses erfolgreiche Geschäft funktioniert auch durch den Hahn und dessen zentrale Lage in Europa so gut. Eine so hart kalkulierende Fluggesellschaft richtet nicht mal eben einen Stützpunkt solcher Größenordnung an einem Standort ein. Die Iren haben nach wie vor Interesse am Hahn. Er passt in ihr Konzept. Und der Hahn hat sein Konzept dem der Iren angepasst. Es heißt "Low-Cost".

Der Hahn passt auch ins Konzept der Fraport-AG. Natürlich wird es mehr Flugverkehr geben in der Zukunft. Die Belastung für die Bevölkerung im Hunsrück wird steigen. Wird der Tourismus darunter leiden? Welcher Tourismus? Bis der Tourismus so weit ist, unter Fluglärm leiden zu können, haben die Verantwortlichen, die Bevölkerung und die Fremdenverkehrsbetriebe noch viele Hausaufgaben zu machen. Der Hahn bietet nach wie vor große Chancen. Der Flughafen in Frankfurt am Main braucht den Hahn zur Zukunftssicherung. Und der Hahn wird 2009/2010 nur positive Zahlen schreiben, wenn er konsequent auf Erweiterung setzt und weiter vorne mitspielt.

(Hunsrücker Zeitung vom 18.10.2007)