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Mayrhuber lehnt Flughafensystem Frankfurt-Hahn ab

Von Jochen Remmert

Lufthansa-Chef Mayrhuber: Kunden akzeptieren einen Transfer von Hahn nach Frankfurt nicht

Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber lehnt ein sogenanntes Flughafensystem der Flughäfen Frankfurt und Hahn im Hunsrück als Ausgleich für ein Nachtflugverbot in der Stadt am Main als völlig unrealistisch ab. Bei der Vorlage der Neunmonatszahlen der Deutsche Lufthansa AG äußerte er, das Konzept sei aus wirtschaftlicher Sicht nicht tragfähig. Passagiere würden einen Transfer in den 120 Kilometer von Frankfurt entfernten Hunsrückort mit Sicherheit nicht akzeptieren. Um im Wettbewerb weiter erfolgreich sein zu können, sei die Lufthansa auf nächtliche Flugbewegungen am Frankfurter Flughafen also angewiesen.

Was die Geschäftszahlen betrifft, korrigierte Mayrhuber die Gewinnprognose des Konzerns für dieses Jahr nach oben: auf die Rekordgröße von nun 1,3 Milliarden Euro. Zukäufe schloss er nicht aus, eine sorgfältige Risikoabwägung gehe aber vor. Zum Verkauf stehen unter anderem die Fluglinien Alitalia und Iberia.


Mayrhuber will Vorzugsbehandlung


Im Hinblick auf die Heimatbasis Frankfurt führte Mayrhuber aus, dass ein Verbot jeglicher Nachtflüge fatal wäre, es würde der Airline "die Wurzeln kappen". Die Verlagerung von Fracht- und Passgierströmen weg von Frankfurt sei dann nur eine Frage der Zeit. Bislang hat die Lufthansa Mayrhuber zufolge aber keine Signale aus der Landesregierung erhalten, dass es auch nach einem Flughafenausbau weiter Nachtflüge geben könnte. Zuletzt hatte Vorstand Stefan Lauer für sein Haus einen Bedarf an Nachtflügen steigend bis 2020 von 41 genannt. Zurzeit liegt der Durchschnitt bei der Lufthansa internen Quellen zufolge zwischen 20 und 25 Flugbewegungen inklusive Passage, Fracht und Charter.

Mayrhuber wies darauf hin, dass Investition wie die in die Wartungshalle für den Großraum-Airbus A380, in den neuen Cateringbetrieb der LSG Skychefs, das Lufthansa Aviation Center und andere Projekte klare Bekenntnisse zum Standort Frankfurt seien. Im Gegenzug erwarte der Konzern ein Kontingent von Nachtflügen. Bei der Ermittlung des künftigen Bedarfs habe man bei der Lufthansa sehr genau geschaut, welche Zahl auch einer möglichen gerichtlichen Prüfung mit Sicherheit standhalten würde. Bei den genannten 41 Flugbewegungen sei dies der Fall.

Für den Lufthansa-Chef steht zudem außer Zweifel, dass es bei der Verteilung einer begrenzten Zahl von Nachtflügen in Frankfurt ein klares "Prä" für den großen "Homecarrier" für die Lufthansa vor anderen Fluggesellschaften geben müsse.


Zustimmung der EU zu Verbund offen

Das Verbot jedweder regulärer Flüge in der Zeit von 23 bis 5 Uhr früh hat der Flughafenbetreiber Fraport AG selbst auf Druck aus der Landespolitik beantragt, um eine Genehmigung der Flughafenerweiterung in Frankfurt sicherzustellen. Nachtflugbewegungen mit dem Zielort Frankfurt sollen den Plänen zufolge dann im Rahmen des Verbunds in den Hunsrück verlagert werden. Das kann Fraport aber nur in Eigenregie tun, wenn die EU-Kommission Frankfurt und Hahn überhaupt als Flughafensystem quasi als verschiedene Bahnen eines einzigen Flughafens anerkennt. Bislang konnte sich die Kommission, die seit 2005 prüft, dazu aber nicht entschließen vor allem wegen der großen Entfernung und den damit verbundenen langen Umsteigezeiten, wie ein Kommissionssprecher auf Nachfrage mitteilte.

(Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 26.10.2007)