Sehr geehrter Herr Schumacher!
Seit wann hat Frankfurt denn ein Nachtflugverbot ?

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"Das macht keinen Sinn"

Droht der Flughafen Hahn zum "Lärm-Mülleimer" des Rhein-Main-Airports zu verkommen? Dort wird zurzeit heftig über eine Verlagerung von "besonders störenden Flugereignissen" nachgedacht. Hahn-Geschäftsführer Jörg Schumacher sieht die Nachtruhe für die Hunsrücker Bevölkerung dadurch nicht gefährdet.

Von Markus Lorenz

FLUGHAFEN HAHN. Donnernde Ferienflieger um Mitternacht, dröhnende Frachtmaschinen, die zur Geisterstunde den Poststern Hahn anfliegen -ist das die Zukunft des Hunsruck-Airports? Diese Befürchtung äußert der Fraktionssprecher von Pro-Rhein-Hunsrück, Axel Weirich, in einer Pressemitteilung.

Anlass für die unruhigen Aussichten des Kreistagsmitglieds ist der Besuch des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministers Hans-Artur Bauckhage und dessen Parteifreundes Jörg-Uwe Hahn auf dem Hunsrück-Flughafen vor wenigen Tagen (wir berichteten). Hahn ist nicht nur Fraktionsvorsitzender der FDP im hessischen Landtag, sondern auch Mitglied im Aufsichtsrat der FAG.

Durch stärkeren Flugverkehr auf dem Hahn soll zumindest nach Ansicht der Wiesbadener Agentur lfok der Frankfurter Flughafen entlastet werden, "störende Flugereignisse" auf den Hunsrück-Airport abgedrängt werden. Im Auftrag der Mediatoren, die sich mit der Errichtung einer vierten Landebahn auf dem Rhein-Main-Flughafen befassen, empfahl Ifok beispielsweise die Verlagerung nächtlicher Ferienflüge von Frankfurt auf die Hunsrückhöhen.

Nicht nur der Pro-RheinHunsrück-Mann Axel Weirich befürchtet jetzt unruhige Zeiten, auch die Bürgerinitiative gegen den Nachtflughafen Hahn sieht sich vorsorglich um ihren Schlaf gebracht: "Bis zu 160 Flugbewegungen pro Nacht" will die BI laut Weirich errechnet haben. "Das nenne ich kalte Enteignung", so der Kommunalpolitiker, der um die Volksgesundheit und Wertminderung von Grundstücken gleichermaßen besorgt ist.

Ruhig schlafen kann dagegen Jörg Schumacher, Geschäftsführer des Flughafen Hahn. Der sieht in der Diskussion um die nächtliche Flugverkehrsverlagerung vor allem viel Lärm um nichts: " Außer dem Poststern gibt es in Frankfurt keinen Nachtflugverkehr", stellt Schumacher klar, "zwischen 1 und 5 Uhr darf dort nicht geflogen werden - also welcher Verkehr soll dort abgezogen und nach Hahn verlagert werden? "

Eine Abwanderung des Poststerns von Frankfurt auf den Hunsrück ist für den Hahn-Manager derzeit kein Thema: "Das ist logistisch kaum machbar. Mit welcher Ladung soll eine Maschine, die nachts Post von Hamburg nach Frankfurt bringt, wieder zurück fliegen? Oder soll das Flugzeug in Frankfurt zwischenlanden, um dort Passagiere nach Hamburg aufzunehmen? Das würde pro Zwischenstopp rund 20 000 Mark kosten - das macht doch keinen Sinn. Wenn das alles so einfach wäre, hätten wir schon 1993 Flugverkehr hier gehabt - damals war das Thema ja schon einmal im Gespräch." Natürlich sei auch die FAG bemüht, aus Kapazitätsgründen Flugverkehr zu verlagern. "Und wir bemühen uns um Flugverkehr", unterstreicht auch Schumacher.

Das große "Aber": "Mit unserer mangelhaften Infrastruktur und möglichen Kapazität können wir noch lange nicht alles bewältigen, was wir gerne bewältigen würden. Außerdem wird keine Airline auf dem Hahn landen, die auf Umsteigeverkehr angewiesen ist; das wäre tödlich für sie. Einzig und allein der Kunde bestimmt, wo er landen will und dazu kann er weder von Politikern noch der FAG gezwungen werden, Chancen für uns sehe ich vor allem im Charterbereich - und der fliegt tagsüber."

(Hunsrücker Zeitung vom 05.05.2000)

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