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Presseerklärung Nr. 02/97 vom 12. Dezember 1997
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Flugplatz Hahn: Triebwerksschaden an Antonow 124

Die Bürgerinitiative gegen den Nachtflughafen Hahn hat das Luftfahrtbundesamt in Braunschweig aufgefordert, vermehrte und unangemeldete Sicherheitskontrollen auch am Wochenende und in der Nacht am Flugplatz Hahn durchzuführen.

Gründe für diese Forderungen sind neben den vom Bundesluftfahrtamt veröffentlichen erschreckenden Ergebnissse der Sicherheitsüberprüfungen an ausländischen Charterflugmaschinen auch die grauenvolle Flugzeugkatastrophe mit einer Antonow 124 in Irkutsk.

Flüge nur dann wenn Kontrolleure dienstfrei?

Nutzer des Flugplatzes Hahn sind nämlich außer ein Paar Freizeit- und Hobbyfliegern fast ausschließlich russische Fracht-Charterfluggesellschaften, die mit Großraumflugzeugen wie der Antonow An 124 RUSLAN und Ilyushin Il 76 den Einöd-Flughafen Hahn befliegen.
Pikanterweise finden die Flüge überwiegend am Wochenende und in der Nacht statt, dann also, wenn die Sicherheitskontrolleure des Luftfahrtbundesamt dienstfrei haben. So werden Sicherheitskontrollen geschickt umgangen!

Triebwerksausfall beim Start

Wie dringend die Durchführung von Sicherheitsüberprüfungen gerade auf den Flughäfen in der Provinz aber ist, beweist der im Januar 1996 am Flugplatz Hahn an einer Antonow An 124 aufgetretene Totalausfall eines Triebwerks. Bei voller Schubleistung fiel kurz vor dem Abheben bei einer Antonow 124 eines der vier Triebwerke aus. Zum Glück für die Bevölkerung konnte jedoch der Pilot den Startvorgang im letzten Moment noch abbrechen und die Maschine vor dem Ende der Landebahn zum Halten bringen.
Was wäre geschehen, wenn das Triebwerk wenige Sekunden später ausgefallen wäre und die Maschine zu diesem Zeitpunkt schon abgehoben hätte?

Triebwerksschaden nicht gemeldet!
Besatzung flickt selbst

Da es sich, ähnlich wie in Sibirien, beim Flugplatz Hahn um einen schlecht überwachten und ausgestatteten Flughafen handelt, versuchte die Besatzung der Antonow auf eigene Faust eine Reparatur des defekten Triebwerkes. Hierbei wurde sie von der Geschäfts- und Betriebsleitung des Flugplatzes Hahn nicht gehindert. Ganz im Gegenteil, das Management des Flugplatz Hahn war kundenfreundlich noch mit Mensch und Material behilflich. Um die Machenschaften zu vertuschen, unterblieb auch die eigentlich fällig gewesene Meldung des Triebwerksausfalles an die Flugunfalluntersuchungsstelle des Bundesluftfahrtamtes.

Startfreigabe trotz Eigenreparatur

Dass die am Flugplatz Hahn praktizierte Art von Flickschusterei gefährlich und in Deutschland verboten ist, scheint die Flughafenmanager auch nicht zu bekümmern. Es wurde dennoch eine Startfreigabe erteilt. Es muß nicht verwundern, dass trotz der rührigen Bemühungen der Besatzung und der mehr als unzureichenden Hilfsmitteln der mühselig geflickte Motor beim erneuten Startversuch noch einmal ausfiel.
Glücklicherweise auch dieses Mal vor dem Abheben!

Nacht- und Nebelaktion

Erst als das defekte Triebwerk in einer erneuten Nacht- und Nebelaktion durch eine aus einem anderen Schrottflugzeug in Russland kannibalisierte Turbine ersetzt wurde, konnte die Antonow An 124 nach fast vierzehn Tagen Stehzeit in Wind und Wetter aus Hahn verschwinden.

Tappt Luftfahrtbundesamt wirklich im Dunkeln?

Das Luftfahrt-Bundesamt und das Ministerium für Wirtschaft und Verkehr des Landes Rheinland-Pfalz (MiWI RLP) wurden von diesen Vorgängen durch die Bürgerinitiative informiert. Während Staatssekretär Kuchenbecker vom MiWi RLP wenigstens den Triebwerksausfall bestätigen konnte, tappt offensichtlich das Bundesluftfahrtamt noch immer im Dunkeln. Nur so läßt sich erklären, warum die immer noch offenen Fragen der BI zu diesen doch mehr als dubiosen Vorgängen um den Triebwerksdefekt an der Antonow 124 immer noch nicht vom Bundesluftfahrtamt beantwortet sind.

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