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Fragwürdige Meldungen zum Winterflugplan Flughafen Frankfurt-Hahn: Positive Trends im Winterflugplan, "Neue" Flugziele, 90 Verbindungen, Hahn wichtiger Bestandteil des deutschen Reiseverkehr, Hahn bedeutend für Tourismus in der Region?

In Berichten über den Winterflugplan 2023/2024 für den Flughafen Frankfurt-Hahn finden sich u. a. folgende Aussagen:

"Die neuen Eigner am Hahn wollen den Hunsrück-Airport zurück in die Erfolgsspur führen. Jetzt kann die Triwo Hahn Airport GmbH positive Trends im Winterflugplan verkünden. Neue Ziele werden angesteuert."

Flughafen Hahn erweitert Winterlfugplan um zwei neue Ziele

"Vom Hunsrück aus können Urlauber künftig direkt nach Marokko jetten - und zwar zu gleich zwei Zielen: Ryanair verbindet den Hahn mit Agadir, Air Arabia Maroc fliegt aus Lautzenhausen nach Nador."

Wieder dabei sind Ryanair, Wizz Air und Air Arabica Maroc

"Weitere Neuigkeiten gibt es beim Zielland Italien. So fliegt Ryanair künftig dreimal in der Woche nach Rom-Fiumcino."

Nach Italien gibt es zwei Verbindungen

"Pro Woche starten demnach 90 Flüge zu 29 Zielen"

"Der Flughafen Hahn ist ein wichtiger Bestandteil des deutschen Reiseverkehrs und bedeutend für den Tourismus in der Region."

Die dazugehörenden Berichte müssten nach unserer Ansicht mit dem Hinweis versehen werden, dass sie nicht unabhängig überprüft wurden. Es sieht vielmehr so aus, als ob lediglich die Presseerklärung der Triwo Hahn Airport abgeschrieben und das eine oder andere dazugedichtet wurde.

Von gesundem Menschenverstand geleitet und mit einfachsten Methoden lässt sich feststellen, dass die obigen Aussagen äußerst fragwürdig und teilweise sogar falsch sind.


Anzahl der wöchentlichen Flugverbindungen

Mithilfe einer einfachen Strichliste lässt sich ermitteln, dass der Winterflugplan 2023/2024 des Flughafens Frankfurt-Hahn keine 90 wöchentlichen Flugverbindungen aufweist, sondern nur 83. Davon entfallen auf Ryanair: 59, auf Wizz Air: 18 und auf Sky Up Airline, Air Serbia und Air Arabia Maroc je 2.

Um eine Aussage darüber getroffen zu haben, dass es einen positiven Trend gibt, muss der Winterflugplan 2022/2023 zum Vergleich heran gezogen worden sein. Dieser Mühe scheinen sich die Autoren*innen nicht unterzogen zu haben. Denn dieser weist, mit simpler Strichliste ermittelt, 88 wöchentliche Flugverbindungen aus. 66 von Ryanair, 16 von Wizz Air, je 2 von Air Serbia, Air Moldawia und Fly Car (Arvidsjaur).

Damit steht fest, dass es bei den wöchentlichen Flugverbindungen keinen positiven Trend gibt. Denn die Anzahl der wöchentlichen Flugverbindungen stimmt nicht, da es 2023/2024 nachweisbar weniger Flüge als im Vergleichszeitraum des Vorjahres gibt.


Anzahl der Flugziele:

Die Anzahl der Flugziele geht sogar um 5 von 34 im Winterflugplan 2022/2023 auf nur noch 29 im Winterflugplan 2023/2024 zurück.

2022/2023: Ryanair: 23, Wizz Air: 8, Fly One, Air Serbia und Fly Car (Arvidsjaur): je 1

2023/2024: Ryanair: 21, Wizz Air: 7 (6), Sky Up Airline und Air Serbia: je 1, Air Arabica Maroc: 1 (0)

Wizz Air bietet mit Catania und Air Arabica Maroc mit Nador jeweils ein Ziel an, dass auch von Ryanair angesteuert wird.

Auch bei der Anzahl der Flugziele lässt sich somit kein positiver Trend ablesen. Die Anzahl der angebotenen Flugziele geht sogar um 5 zurück.


Marokko neu im Programm?

Folgende Ziele in Marokko werden/wurden, beginnend mindestens ab 2007, von Ryanair angeflogen: Agadir, Fez, Marrakesch, Nador und Tanger. Allerdings wurden einige dieser Flugziele nicht durchgängig bedient und/oder nach Ablauf des Förderzeitraums und/oder mangelnder Nachfrage wieder eingestellt. Im Winterflugplan 2023/2024 wird Nador parallel von Ryanair und Air Arabia Maroc (erstmalig) mit zusammen 6 wöchentlichen Flügen bedient. Selbst mit nur 2 wöchentlichen Flügen kam Ryanair bspw. 2016 und 2017 auf Jahresbasis lediglich auf eine Auslastung von 90 %.


Flüge nach Rom-Fiumcino, Zwei Verbindungen nach Italien

Rom-Fiumcino wird 2023/2024 nicht dreimal die Woche angeflogen, sondern nur zweimal. Allerdings wurde Rom-Fiumcino im Winterflugplan 2022/2023 noch viermal die Woche angeflogen. Auch hier wurde "nichts Neues" als eine bemerkenswerte Neuigkeit und ein realer Rückgang als ein zukunftsweisender Fortschritt dargestellt.
Insgesamt werden in Italien sechs Ziele angeflogen und nicht zwei.


Bedeutung im Luftverkehr

Einen Markanteil von gerade einmal 0,85% des Gesamtaufkommens an Passagieren (Statistik der Arbeitsgemeinschaft deutscher Verkehrsflughäfen Stand: 30.09.2023) bedeutend zu nennen, dürfte selbst dem verblendesten Hahn-Befürworter als stark übertrieben erscheinen.

Lediglich beim Transit-Verkehr hat der Hahn dank der beim Auftanken der Maschinen an Bord befindlichen US-Soldaten einen Markanteil von 15,00 %. Die absolute Zahl beträgt allerdings nur 26.837, was einem Anteil von 0,017 % am Gesamtaufkommen entspricht.


Hahn bedeutend für den Tourismus in der Region

Den Vogel schießt jedoch die Behauptung des Hahner Geschäftsführers, Herrn Rüdiger Franke, von der großen Bedeutung des Hahns für den Tourismus in der Region ab.

Wer glaubt denn ernsthaft, dass aus Albanien, Bulgarien, Georgien, Serbien, Kroatien, Nordmazedonien, Moldawien, Marokko oder Rumänien im Winterhalbjahr Touristen nach Rheinland-Pfalz kommen? Selbst für das Sommerhalbjahr ist dies nur schwer vorstellbar. Gleiches gilt für Irland, Italien, Spanien und Portugal. Bleibt nur noch Großbritannien. Hier könnte es tatsächlich sein, dass sich der eine oder andere Engländer auf den Hunsrück, eher aber den Rhein oder die Mosel verirrt.


Incoming-Tourismus vom Hahn reine Bauernfängerei!

Mit der angeblich riesengroßen Bedeutung des Flughafens Frankfurt-Hahn für den Tourismus in der Region wurden bereits im Genehmigungsverfahren im Zusammenhang mit der Startbahnverlängerung Entscheidungsträger der umliegenden Kreise geködert, um deren Zustimmung im Verfahren zu erreichen.
Noch heute warten Landräte, Verbandsgemeindebürgermeister, Ortbürgermeister, Hoteliers, Pensionsbetreiber und Gastwirte an Mosel, Rhein und Nahe vergebens auf die hunderttausende von Incoming-Touristen, die ihnen von der Landesregierung und dem Hahn-Management im Gegenzug für ihre Zustimmung in Aussicht gestellt wurden.

Die für den angekündigten Riesenboom vorauseilend angeschafften Feldbetten stehen immer noch ungenutzt herum.

Aufgrund eines Artikels in der Mitgliederzeitschrift "Blickpunkt Wirtschaft", Ausgabe 06/2011 der Industrie- und Handelskammer Trier - damaliger IHK-Präsident Triwo-Chef und aktueller Eigentümer der Pro(w)inzflughäfen Egelsbach bei Darmstadt und Hahn bei "Frankfurt" im Hunsrück, Peter Adrian !! - kam die BI gegen den Nachtflughafen Hahn bereits 2011 in einem Newsletter zu folgendem Ergebnis:

Versprechungen bezüglich des Incoming-Tourismus am Flughafen Frankfurt-Hahn entpuppen sich als reine Bauernfängerei!

Im Sommer ist zu kalt und im Winter zu warm!

Als die Bürgerinitiative gegen den Nachtflughafen Hahn e.V. 1991 als Nachfolgenutzung des Militärflugbetriebs mit seiner intensiven Lärmbelastung der Hunsrückregion u. a. Tourismus mit Schwerpunkt auf den sanften Tourismus und die Nutzung als Naherholungsgebiet für das Rhein-Main-Gebiet und das Ruhrgebiet vorschlug, wurde dies vom damaligen Ministerpräsidenten des Landes Rheinland-Pfalz, Rudolf bin Baden Scharping (SPD) und seinem Wirtschaftsminister Rainer der Weinköniginnenküsser Brüderle (FDP) mit den Worten abgeschmettert:

Im Sommer ist es zu kalt und im Winter ist es zu warm!

Weiterführende Links

(Newsletter der BI Nachtflughafen Hahn vom 14.11.2023)