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Unbequeme Wahrheiten - Wie uns Informationen (bewusst) vorenthalten werden

In unserem Newsletter vom 26.08.2014 haben wir darüber informiert, dass Air France Cargo Ende September nach 17 Jahren dass ausschließlich von ihr genutzte LKW-Hub auf dem Flughafen Frankfurt-Hahn aufgibt. In diesem Zusammenhang hatten wir unter anderem nachfolgende Fragen gestellt:

Wie viele Arbeitsplätze werden konkret wegfallen?

Wie viel Fracht wurde in dem Hub der Air France Cargo zuletzt noch umgeschlagen und wie hoch war der Umschlag zur Spitzenzeit?

Die Antworten auf diese Fragen sind für die Verantwortlichen am Flugplatz Hahn sowie der Landesregierung unangenehm und blieben erwartungsgemäß aus. Sie werfen ein ganz anderes Licht auf den Flugplatz Hahn werfen, als es so gerne in der Öffentlichkeit dargestellt wird.
Demzufolge haben wir die Antworten auf die Fragen selbst gesucht.

Entfallen: 125 Arbeitsplätze bei Air-France-Cargo

In einem Artikel der Hunsrücker Zeitung vom 20.05.2004 hieß es: "Dank des Flughafens Frankfurt-Hahn sowie den politischen Entscheidungsträgern, die diesen "Prototypen" als Vorzeigemodell ermöglicht haben, konnten wir rund 125 neue Arbeitsplätze schaffen … "

Diese Arbeitsplätze müssen komplett entfallen sein. Im Artikel in "airliners.de" vom 22.09.2014 gibt VG Cargo, die ab dem 01.10.2014 die Fracht von Air-France von Lkw zu Lkw umlädt, die Anzahl ihrer Arbeitsplätze mit über 140 an. VG-Cargo musste die Anzahl ihrer Mitarbeiter wegen des Zusatzgeschäftes mit Air-France offensichtlich nicht erhöhen, denn bereits im Geschäftsbericht für das Jahr 2012 gibt sie die Anzahl ihrer Arbeitnehmer mit 144 an.

Entfallen: 90 Arbeitsplätze bei ACL Advanced Cargo Logistisc

Aus dem Personalbestand von VG Cargo von ca. 140 Mitarbeitern ergibt sich auch, dass alle Arbeitsplätze der ACL Advanced Cargo Logistics, die in Zuge ihrer Zahlungsunfähigkeit 2012 von der VG-Cargo übernommen wurden, ebenfalls entfallen sind. 2008 gab ACL in ihrem Geschäftsbericht die Anzahl der Mitarbeiter mit 90 an. Zum Zeitpunkt der Übernahme waren es noch 45.

84.000 to Luftfrachtersatzverkehr weg

Im Artikel in "airliners.de" gibt der Geschäftsführer der VG Cargo das Volumen des Geschäftes mit Air-France-Cargo mit 3.000 to im Monat, also 36.000 to im Jahr an.
In einem Artikel in der Hunsrücker Zeitung vom 10.07.2002 hieß es: "… ist es Air France gelungen, die Höhe des Luftfrachtumschlags von rund 120.000 Tonnen jährlich beizubehalten.".
Daraus ergibt sich, dass dem Flugplatz Hahn mit der Schließung des Lkw-Hubs von Air-France mindestens 84.000 Tonnen Luftfrachtersatzverkehr verloren gegangen sind.

Merkwürdige Zahlen des Flugplatz Hahn im Zusammenhang mit dem Luftfrachtersatzverkehr

Aus den auf einer Internetseite des Flughafens veröffentlichten Zahlenreihen ergibt sich, dass am Flugplatz Hahn in den letzten Jahren folgender Luftfrachtersatzverkehr abgewickelt worden sein soll:

2010: 217.882 to
2011: 278.928 to
2012: 296.475 to
2013: 294.105 to

Würde man diesem von der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH veröffentlichten Zahlen zum Luftfrachtaufkommen Glauben schenken, müsste der Verlust durch die Aufgabe des Lkw-Cargo-Hubs von Air-France Cargo sogar noch größer sein.

Wer außer Air-France-Cargo überhaupt Luftfrachtersatzverkehr am Hahn abwickelt, ist uns völlig unbekannt. Typischer Luftfrachtersatzverkehr ist bspw. Anlieferung von Luftfracht am Flughafen Hannover, Weitertransport nach Frankfurt am Main per Lkw und dort Verladung in ein Flugzeug. Diese Logistikkette ist für uns nachvollziehbar.

Wir können aber nicht glauben, dass am Hahn Fracht in nennenswerten Umfang von den Firmen in der Region angeliefert wird, und dann weiter per Lkw zu anderen Flughäfen transportiert wird, um von dort zum Endziel geflogen zu werden.

Überhaupt ist es schon äußerst fragwürdig, dass die von Air-France Cargo und jetzt von VG-Cargo von Lkw auf Lkw umgeladene Fracht als Luftfrachtersatzverkehr gerechnet wird. Diese Fracht wurde bereits an der Abgabestation (bspw. Hannover) als Luftfrachtersatzverkehr in die Statistik eingerechnet. Am Hahn fließt sie dann sogar zweimal, einmal als Eingangsfracht und nochmals als Ausgangsfracht in die Statistik ein. Die dann weiter nach Paris transportierte Fracht wird dort eventuell nochmals als eingegangener Luftfrachtersatzverkehr gerechnet. Wird sie dann endlich in ein Flugzeug geladen, fließt sie inzwischen zum fünften Mal in die Statistik, dieses Mal allerdings in die Luftfrachtstatistik ein.

Noch kurioser wird der Ausweis als "Luftfrachtersatzverkehr" angesichts der Tatsache, dass ein Teil des sogenannten Luftfrachtersatzverkehres von Air-France niemals an Bord eines Flugzeuges gelangt, sondern vielleicht nur zur Umgehung des Wochenendfahrverbotes als Luftfracht deklariert wird. Air-France transportierte nach unseren Informationen über den Hahn bspw. Teile für die Automobilindustrie im Süden von Paris und in der Bretagne.

Nichts täuscht so sehr wie der Selbstbetrug

Wir haben aufgrund der unerklärlichen Zahlen die starke Vermutung, dass sich die Verantwortlichen am Hahn, wie schon so oft, eigene Statistiken entwickelt haben, um die Zahlen schöner aussehen zu lassen. Hier scheint es uns, dass sie die gesamte per Lkw zum und vom Hahn transportierte Fracht, die später in die Flugzeuge verladen wurde bzw. aus den Maschinen ausgeladen wurde, nicht nur als Luftfracht, sondern auch noch als Luftfrachtersatzverkehr angerechnet haben. Aber selbst in diesem Fall kommt man nicht auf die vom Flughafen Hahn veröffentlichten Zahlen für den Luftfrachtumschlag.

Welche Zahlen am Flugplatz Hahn sind noch geschönt?

Bei all diesen Umgereimtheiten ist die Frage erlaubt, welche Zahlen noch aufgehübscht wurden, um uns den Flugplatz Hahn schönzureden?

Arbeitsplatz- bzw. Mitarbeiterzahlen?
Verkehrs- und Geschäftsergebnisse?
Steueraufkommen?

Weiterführende Links

(Newsletter der BI Nachtflughafen Hahn vom 10.11.2014)