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Heben Urlauber bald mitten in der Nacht am Hahn ab?Hunsrück-Airport knackt wie gewünscht die Zwei-Millionen-Marke bei den Passagieren - Wie geht es im kommenden Jahr weiter? |
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Von Bernd Wientjes und Tim Kosmetschke Das selbst gesteckte Ziel ist erreicht: Zwei Millionen Passagiere wurden bislang in diesem Jahr auf dem Flughafen Hahn im Hunsrück abgefertigt. Airport-Chef Rüdiger Franke hatte angekündigt, in 2025 die Zwei-Millionen-Marke zu knacken. Doch wie geht es weiter? Wird die Zahl der Fluggäste weiter wachsen? Damit hatte die Familie aus dem irischen Kerry wohl nicht gerechnet: Kurz vor ihrem Rückflug mit einer Ryanair-Maschine wurde sie von führenden Mitarbeitern des Flughafens Hahn zum Fototermin gebeten. Die vierköpfige Familie, die ein paar Tage in Köln verbracht hatte, um die Weihnachtsmärkte in der Domstadt zu besuchen, hat dazu beigetragen, dass der Hahn in diesem Jahr sein Ziel erreicht. Wie der Airport auf seiner Facebook-Seite verkündete, wurde mit der Familie offiziell die Zwei-Millionen-Marke bei den Passagieren geknackt. Bereits im vergangenen Jahr hatte Hahn-Geschäftsführer Franke dieses Ziel ausgegeben. Ende 2024 wurde es mit rund 1,9 Millionen Passagieren knapp verfehlt. In diesem Jahr hat der Hahn bei der Zahl der Fluggäste zugelegt. Bereits nach dem ersten Halbjahr verkündete der Airport-Chef ein Plus von 20 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Er sei sehr zuversichtlich, "dass wir das Wachstum auch in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen können", sagte Franke im Sommer. Bis Ende des Jahres wird nach Informationen unserer Zeitung mit 2,2 Millionen Passagieren auf dem Hahn gerechnet. Zuletzt wurde die Zwei-Millionen-Grenze 2018 erreicht. Rekord waren knapp vier Millionen Passagiere im Jahr 2007. Franke glaubt daran, dass diese Zahl in den kommenden Jahren wieder erreicht werden kann. Bis 2030 rechnet er wieder mit 3,5 bis 4 Millionen Passagieren auf dem Hahn. Triwo steht vor gewaltigem KraftaktBranchenkenner halten das für sehr optimistisch. Bei dem Trierer Projektentwickler Triwo, dem der Hahn seit 2023 gehört, spricht man von " extremen Herausforderungen" und einem "gewaltigen Kraftakt". Trotz der Steigerungen im Passagiergeschäft befindet sich der Hunsrück-Airport noch nicht in der Gewinnzone. Vor allem die Fracht macht den Verantwortlichen des Triwo Hahn Airport Sorge. Mit rund 83.000 Tonnen umgesetzter Fracht bis Ende Oktober lag die Menge 5 Prozent unter der Menge des Vorjahreszeitraums. Seit Jahren, geht das Frachtgeschäft auf dem Hahn zurück. Daher soll im kommenden Jahr ein Hauptaugenmerk auf neuen Frachtkunden liegen. Angesichts der wirtschaftlich schwierigen Lage, der unberechenbaren Politik der USA und der Verunsicherung durch kriegerische Auseinandersetzungen dürfte es schwierig sein, wieder deutlich bei der Fracht zuzulegen. Auch das Passagiergeschäft birgt im kommenden Jahr einige Unabwägbarkeiten. Hauptkunde am Hahn ist die irische Ryanair. Diese hat aus Protest gegen die deutsche Luftverkehrssteuer ihr Angebot auf vielen Airports in Deutschland -auch auf dem Hahn - in diesem Winter reduziert. Mittlerweile hat sich die schwarzrote Koalition in Berlin darauf verständigt, die Ticketsteuer im kommenden Jahr wieder zu senken. Auf dem Hahn spricht man von einem wichtigen Signal. Ob die Reduzierung ausreicht, um die Fluggesellschaft davon zu überzeugen, ihr Angebot wieder auszuweiten, ist fraglich. Zumal die irische Airline derzeit kleineren Flughäfen, wie dem in Saarbücken, Avancen macht. Ab kommendem Jahr fliegt Ryanair vom Saarland aus. Sicherlich nur ein Testballon - aber das zeigt: Die Iren gehen dorthin, wo ihnen das bessere, sprich kostengünstigere, Angebot gemacht wird. Leicht verbesserte VorzeichenRyanair kritisiert weiterhin die hohen Zugangskosten auf dem deutschen Markt - und bleibt dabei, auch wenn eine Senkung der Luftverkehrssteuer seitens der Bundesregierung angekündigt wurde. "Wir begrüßen die geplante Senkung der Luftverkehrssteuer in Deutschland. Aber sie bedeutet nicht die Rettung des deutschen Luftverkehrsmarkts. Sie ist nicht genug", sagte Marcel Pouchain Meyer, Marketing- und Kommunikationschef für Deutschland, Österreich und die Schweiz bei Ryanair, kürzlich im Gespräch mit unserer Zeitung. Dabei signalisierte er, dass es für Regionalflughäfen insgesamt und den Hunsrück-Airport im Besonderen gar nicht so schlecht steht: "Die Vorzeichen für das Angebot ab Hahn stehen jetzt, mit Blick auf den kommenden Sommerflugplan, zumindest besser als zuletzt vor dem Winterflugplan - insofern, als es zumindest nicht zu weiteren Reduktionen kommen sollte. Aber wir schließen auch eine mögliche Kapazitätserweiterung zumindest nicht aus", so der Airline-Sprecher im November. Auf dem Hahn rechnet man jedenfalls damit, im kommenden Jahr die Zahl der Passagiere zumindest leicht zu steigern. Dazu muss aber das Terminal umgebaut werden. Derzeit laufen umfangreiche Arbeiten in der Ankunfts- und Abflughalle. Die Sicherheitskontrolle und der Check-in sollen modernisiert werden. Damit soll auch mehr Kapazität für Passagiere geschafft werden. Bislang ist nicht bekannt, ob im kommenden Jahr weitere Passagierairlines den Hahn ansteuern werden. Offenbar gibt es bei den Verantwortlichen aber Überlegungen, stärker mit Nachtflügen auch zu bislang noch nicht vom Hahn aus angeflogenen Urlaubszielen zu werben. Der Hahn verfügt über eine 24-Stunden-Betriebsgenehmigung. Ein Nachtflugverbot wie in Frankfurt oder in Luxemburg existiert auf dem Hunsrückflughafen nicht. |
(Trierischer Volksfreund vom 12.12.2025)