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US-Militärflüge auf dem Hahn: Droht durch Verkauf an Oligarchen Gefahr aus dem Kreml?


Der geplante Verkauf des Hahn an einen russischen Oligarchen rückt wegen der regelmäßigen US-Militärflüge dort in ein anderes Licht. Steckt hinter dem Kauf womöglich strategisches Interesse Russlands?

Von Bernd Wientjes

HAHN: Pünktlich um 10.35 Uhr am Sonntag startete Flug CMB557 vom Flughafen Hahn. Nach einer Stunde und 51 Minuten landete die Boeing 747-443 mit der Registrierungsnummer N482MC in Vilnius.

Was wie ein gewöhnlicher Linienflug vom Hunsrückflughafen in die litauische Hauptstadt aussieht, ist in Wirklichkeit ein Militärflug. Und zwar im Auftrag des US Transportation Commandos. Dieses ist verantwortlich für die Transportaktivitäten aller US-Teilstreitkräfte, und zwar weltweit. Regelmäßig landen Flüge des Transport-Kommandos auf dem Hahn. Etwa am 7. Februar als eine Boeing 763 von Kuwait kommend eine Zwischenlandung im Hunsrück einlegte. Zwei Tage zuvor ging ein Flug im Auftrag des US-Militärs vom Hahn nach Katar. Die Maschine landete auf dem Militärstützpunkt Al Udeid.

Auch Flüge im Auftrag der US-Luftwaffe starten und landen im Hunsrück, etwa am Freitag Richtung Saarbrücken und von dort weiter nach Ramstein oder ein paar Tage zuvor nach Wiesbaden.
Dass Militärflüge im Auftrag der USA mit Zwischenlandung auf dem Hahn durchgeführt werden, ist nicht ungewöhnlich. Seit Jahren nutzt das US-Militär die ehemalige Airbase im Hunsrück für die Abwicklung von Flügen. Material und Soldaten werden so in zivilen, zumeist gecharterten Maschinen transportiert. Und das nicht immer klar erkennbar im Auftrag des US-Militärs.

Immer wieder waren die Flüge mal ein Thema, etwa dann, wenn die Bürgerinitiative gegen den Nachtflug auf dem Hahn darauf aufmerksam machte. Offiziell bestätigt wurden sie nie, weder von den Hahn-Verantwortlichen noch vom rheinland-pfälzischen Innenministerium.

In den Statistiken sorgen die Flüge für ein vergleichsweise hohes Aufkommen an Transit bei Passagieren und Fracht auf dem Hahn. Auch der Anteil der außereuropäischen Fluggäste ist für einen Regionalflughafen recht hoch. Damit sorgen die Militärflüge auch zu einer Aufbesserung der Zahl der Passagiere und des Frachtaufkommens auf dem Hunsrückairport.

Aber wie gesagt, im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses standen die Flüge bislang nicht. Auch nicht in der Zeit, als der Flughafen vier Jahre lang von 2017 an in der Hand der chinesischen HNA war. Das US-Militär durfte den Airport offenbar uneingeschränkt weiter nutzen und tat das auch offenbar ohne Angst vor Spionage oder Einflussnahme Chinas.

Seitdem klar ist, dass der Hahn möglicherweise in die Hände eines russischen Oligarchen fallen könnte, hat sich die Sichtweise allerdings geändert. Die Nürburgring Betreibergesellschaft, hinter der Charitonin steht, hat einen Kaufvertrag für den Hahn unterschrieben und dem Vernehmen nach 20 Millionen Euro dafür hinterlegt. Militärexperten wie Joachim Krause vom Institut für Sicherheitspolitik der Universität Kiel vermuten hinter dem Kauf des Hahn durch Charitonin Kalkül und strategisches Interesse. Falls der Deal durch den russischen Staat unterstützt werde, werde es auf dem Hahn danach auch Aktivitäten des russischen Militärs und der russischen Geheimdienste geben, sagte Krause dem SWR.

Fakt ist: Über den Hahn wurden und werden derzeit Waffen, Munition und Gerätschaften transportiert, mit den die USA und die Alliierten die Ukraine im Kampf gegen die russischen Invasoren unterstützen.

"Es wäre fatal, wenn die fliegerische Nutzung in die falschen Hände käme. Sie darf weder an Unternehmer verkauft werden, die im Ruch der Nähe zur russischen oder chinesischen Staatsmacht stehen, noch darf man den Hahn Investoren überlassen, die die fliegerische Nutzung nur solange betreiben, wie die Landebahn und das Flugvorfeld halten, also nur den Vorteil herausziehen, um dann das Gelände zu filetieren", warnt daher auch der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Landtag, Joachim Streit. Der Hahn habe "besondere Bedeutung für die Landesverteidigung bei der Unterstützung unseres Nato-Partners, den USA". Daher dürfe die Landesregierung nicht tatenlos dem Verkauf zusehen, so Streit.

Er schlägt vor, dass die Fraport, der Betreiber des Frankfurter Flughafens, auf den Hahn zurückkehrt. "Sie könnte die Flugbewegungen auf beiden Flugplätzen am besten koordinieren", ist der ehemalige Bitburg-Prümer Landrat überzeugt. Von 1997 bis 2008 war Fraport Hauptanteilseigner am Hahn. Nach Streitigkeiten mit der irischen Fluggesellschaft Ryanair stieg Fraport aus, das Land Rheinland-Pfalz wurde mit 82,5 Prozent Mehrheitseigentümer. 2017 verkaufte es die Anteile an die chinesische HNA, die 2021 pleiteging.

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