Warum sich der Hahn-Verkauf nun noch verzögertDer Verkauf des Hunsrück-Flughafens entwickelt sich zu einer endlosen Geschichte. Ob es irgendwann ein Happy End geben wird, ist unklar. |
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Von Bernd Wientjes HAHN: Es soll eine turbulente Sitzung mit den Gläubigern gewesen sein, heißt es. Hinter verschlossenen Türen stellte der Insolvenzverwalter des Flughafens Hahn, Jan Markus Plathner, die beiden möglichen Käufer des Airports vor. Und offenbar gab es dabei viel Redebedarf. Die Versammlungen dauerten länger als ursprünglich geplant. Mit dazu beigetragen haben dürften die zum Teil heftigen Reaktionen auf den geplanten Verkauf des Hahn an den russischen Milliardär Viktor Charitonin. Geplanter Hahn-Verkauf an russischen Oligarchen schlug hohe Wellen Es war zwar schon seit Wochen bekannt, dass Plathner mit der NR-Holding, der Betreibergesellschaft des Nürburgrings, über den Kauf des Flughafens Hahn verhandelte. Eigentümer der Holding ist der Pharmaunternehmer Charitonin, der als kremlnah gilt. Erst aber als am Wochenende durchsickerte, dass der russische Milliardär einen Kaufvertrag unterschrieben und den Kaufpreis von 20 Millionen Euro hinterlegt hat, schlugen die Wellen hoch. Plathner hat wohl geahnt, dass der Verkauf des Flughafens an einen Russen, der zwar nicht auf der EU-Sanktionsliste im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine steht, in diesen Zeiten zu Problemen führen könnte. Daher hat er sicherheitshalber einen zweiten Kaufvertrag geschlossen mit der Mainzer Firmengruppe Ritter. "Für den Fall, dass im ersten Vertrag gesetzte Bedingungen nicht eintreten", wie der Insolvenzverwalter am vergangenen Samstag überraschend mitteilen ließ. Den zweiten Käufer hatte bis dahin keiner auf dem Zettel. Die Mainzer Firmengruppe ist nach Eigendarstellung auf ihrer Internetseite auf private Vermögensverwaltung von Immobilien, Grundstücken und Beteiligungen spezialisiert. Als Beispiele für Investitionen werden verschiedene Projekte in Mainz und Wiesbaden genannt. Auch die Mainzer Firmengruppe hat den Kaufpreis bereits hinterlegt. Dieser soll unter dem von Charitonin gezahlten Preis liegen. Entscheidung über Hahn-Verkauf liegt nun in den Händen von Robert HabeckLaut Plathner ist bei der Versammlung am Dienstag allerdings nicht über den Kaufvertrag mit dem Mainzer Unternehmen abgestimmt worden. Dieses soll erst dann zum Zug kommen, wenn der Verkauf an die NR-Holding platzen sollte. Das könnte dann der Fall sein, wenn das Bundeswirtschaftsministerium sein Veto einlegt. Dann nämlich, wenn das von Robert Habeck (Grüne) geführte Haus den Hahn als kritische Infrastruktur einstuft und untersagt, dass ein von einem Russen geführtes Unternehmen den Flughafen kauft. Oder wenn das Ministerium den Verkauf unter so hohe Bedingungen stellt, dass dieser damit erschwert und letztlich unattraktiv wird. Laut Plathner habe er gemeinsam mit dem Investor, also der NR-Holding, entschieden, dass der Kauf durch das Bundeswirtschaftsministerium geprüft werde. Unklar ist, warum das nicht bereits während den Verhandlungen, die er als offen und transparent schilderte, geschehen ist. Mit der mehr oder weniger in einem Nebensatz gemachten Mitteilung, dass es neben den beiden Investoren, die bereits Kaufverträge unterzeichnet haben, zwei weitere Interessenten für den Hahn gibt, sorgte Plathner erneut für eine Überraschung. Beide hätten sich, so der Insolvenzverwalter, am Bieterverfahren bereits beteiligt. Einen Vertrag mit den zusätzlichen Interessenten, deren Namen Plathner ebenso wenig wie, die von den beiden Käufern nannte, gibt es aber nicht. Damit ist also zunächst weiterhin unklar, wie es am Hahn weitergeht. Klar ist nur, dass damit endgültig das eigens gegründete Konsortium Swift Conjoy raus ist. Dieses hatte als Meistbietender im vergangenen Juni einen Kaufvertrag unterzeichnet, aber den geforderten Kaufpreis nicht überwiesen. Plathner nannte dies am Dienstag erneut "ärgerlich" und sagte zugleich: "Wahrscheinlich gibt es dafür Gründe." Georg Wohlleben, Anwalt des Betriebsrates am Hahn, zeigte sich verärgert. Die Mitarbeiter seien sehr besorgt und wünschten sich, dass der Verkauf des Flughafens kurzfristig ein Ende finde, sagte er unserer Redaktion. Je länger sich der Verkaufsprozess verzögere, desto mehr seien Arbeitsplätze am Hahn gefährdet. Kritik übte er auch an Plathner. Er warf dem Insolvenzverwalter vor, sich im Vorfeld nicht mit den Gläubigern abgestimmt zu haben. Auch die Tatsache, dass zwei weitere Bieter ins Gespräch gebracht worden seien, überrasche ihn, sagte Wohlleben. Flugbetrieb am Hahn geht weiterDer Insolvenzverwalter bleibt nun weiterhin Herr am Hahn. Er leitet weiterhin die Geschäfte. Daher wird es auch weiterhin keine Auswirkungen auf den Flugverkehr im Hunsrück geben. "Der Flugbetrieb wird im Rahmen des Insolvenzverfahrens weiterhin vollständig fortgeführt. Der Sommerflugplan 2023 wird weitere neue europäische Ziele enthalten, die nonstop ab Frankfurt-Hahn angeflogen werden", teilte Plathner am Wochenende mit. |
(Trierischer Volksfreund vom 07.02.2023)