Es sind zu viele Fehler gemacht wordenDass der Hahn auf absehbare Zeit keinen neuen Eigentümer hat, hat viele Gründe. |
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Meinung Der einst erfolgsverwöhnte Insolvenzexperte Jan Markus Plathner hat kein Glück mit dem Hahn. Er beißt sich beim Verkauf des insolventen Airports die Zähne aus. Erst bietet er den Flughafen dem eigens gegründeten Konsortium Swift Conjoy an, an dessen Seriosität bereits bei Vertragsunterzeichnung Zweifel bestand. Das Frankfurter Unternehmen ließ eine Frist nach der anderen, die Plathner ihm einräumte, verstreichen, doch der geforderte Kaufpreis wurde nicht überwiesen. Außer dass sich Plathner verärgert zeigte, kam keine Reaktion von dem Insolvenzprofi. Dem Vernehmen nach ließ er auch die Belegschaft auf dem Hahn im Unklaren. Gleichzeitig verhandelte er hinter den Kulissen bereits mit dem im Bieterverfahren unterlegenen zweiten Interessenten. Schnell schwieg sich herum, dass es sich dabei um die Nürburgring-Betreibergesellschaft handelte, von der jeder wusste, dass dahinter der russische Milliardär Viktor Charitonin steckt. Offenbar war Plathner aber klar, dass der Verkauf an den Oligarchen Probleme bereiten könnte. Daher schloss er ebenfalls hinter verschlossenen Türen einen zweiten Kaufvertrag. Ohne die Namen der beiden Investoren zu nennen, spielte Plathner erst am vergangenen Wochenende, als die Wellen über den geplanten Verkauf an Charitonin bundesweit hochschlugen, mit offenen Karten und verkündete, dass es bereits zwei notariell beurkundete Kaufverträge gebe. Damit überraschte er nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch die Belegschaft, die sich bereits darauf eingestellt hatte, dass nach Chinesen nun bald ein Russe das Sagen auf dem Hahn haben wird. Neben offenkundigen Kommunikationsfehlern hat Plathner wohl auch die Bedeutung des Verkaufs des Airports an einen Russen unterschätzt. Warum hat er nicht bereits während der Verhandlungen beim Bundeswirtschaftsministerium vorgefühlt, ob es Bedenken gibt? Auch scheint Plathner unterschätzt zu haben, wie stark der öffentliche Druck werden kann, wenn in diesen Zeiten Geschäfte mit russischen Unternehmern gemacht werden - auch wenn diese offiziell nicht auf der EU-Sanktionsliste stehen. Gleichwohl muss man Plathner zugutehalten, dass er als Insolvenzverwalter alleine den Gläubigern verpflichtet ist. Seine Aufgabe ist es, für diese den größtmöglichen Erlös aus dem Insolvenzverfahren herauszuholen. Das hat er mit dem Verkauf an Charitonin versucht. Möglicherweise wäre es besser gewesen, den ersten Verkaufsprozess als gescheitert zu erklären und ein neues Bieterverfahren zu starten. Damit hätte sich die Hängepartie für die Mitarbeiter zwar noch mehr verlängert. Aber auch so ist noch längst nicht abzusehen, ob der Hahn in diesem Jahr tatsächlich einen neuen Besitzer haben wird. Plathner hat sich verkalkuliert mit dem Hunsrück-Flughafen. b.wientjes@volksfreund.de |
(Trierischer Volksfreund vom 07.02.2023)