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Hängepartie am Hahn geht weiter: Noch kein Verkauf an Oligarchen


Die Entscheidung, ob der Hunsrück-Flughafen an einen russischen Milliardär verkauft wird, ist vertagt. Die Entscheidung liegt nun beim Bundeswirtschaftsministerium.

Von Bernd Wientjes

BAD KREUZNACH: Die Hängepartie am Flughafen Hahn geht weiter. Die Gläubigerversammlungen der Schwestergesellschaften der Flughafengesellschaft haben sich gegen den Verkauf des Airports an die NR- Holding, hinter der der russische Milliardär Viktor Charitonin steht, ausgesprochen. Das gab der Insolvenzverwalter Jan Markus Plathner nach den angeblich turbulent verlaufenden Sitzungen beim Amtsgericht Bad Kreuznach bekannt.

Laut Plathner soll die Entscheidung über den Verkauf an die NR-Holding, die seit 2014 den Nürburgring betreibt, später entschieden werden, wenn das Bundeswirtschaftsministerium dem Verkauf zugestimmt hat. Das Ministerium soll prüfen, ob der Hahn als kritische Infrastruktur eingestuft wird und damit der Verkauf an ausländische Investoren besonderen Bedingungen unterliegt. Er habe gemeinsam mit dem Käufer entschieden, diesen Schritt zu gehen, sagte Plathner. Angeblich hat die NR-Holding den Kaufpreis von 20 Millionen Euro bereits hinterlegt.

Über den Kaufvertrag des zweiten Käufers, einer Mainzer Immobiliengruppe, sei nicht abgestimmt worden. Gleichzeitig gab er bekannt, dass es noch zwei weiter Interessenten gebe, die sich kurzfristig gemeldet hätten. Beide Käufer seien "gute Investoren", mit denen es professionelle und offene Verhandlungen gegeben habe.

Sollte das Bundeswirtschaftsministerium dem Verkauf des Hahn an die NR-Holding nicht zustimmen, komme zunächst der zweite Käufer zum Zuge. Möglich sei aber auch, dass mit den beiden weiteren Interessenten verhandelt werde.

Plathner sprach von einer Hängepartie, die letztlich dadurch entstanden sei, dass der im vergangenen Juni unterzeichnete Kaufvertrag mit dem eigens gegründeten Unternehmen Swift Conjoy nicht zustande gekommen ist. Das Konsortium hatte die erforderliche Kaufsumme nicht überwiesen. "Dafür gibt es wahrscheinlich Gründe", sagte Plathner.

Das Entscheidende sei, dass es Optionen für den Verkauf des Hahn gebe, so der Insolvenzverwalter. Als Grund dafür, dass es Kaufinteressenten für den Hunsrück-Flughafen gebe, nannte Plathner die "wunderbaren Mitarbeiter, die vollen Einsatz zeigen", mit denen er es geschafft habe, die Geschäfte am Hahn zu verbessern. Plathner zeigte sich "absolut zuversichtlich",noch im ersten Quartal dieses Jahres eine Lösung, also einen vollzogenen Kaufvertrag, präsentieren zu können. "Wir sind auf einem guten Weg." Nachdem bekannt wurde, dass der Hahn an die NR-Holding und damit an den russischen Pharmaunternehmer Viktor Charitonin verkauft werden soll, hatte es heftige Reaktionen gegeben. Der Milliardär, der als Kreml-nah gilt, steht zwar in den USA auf einer Sanktionsliste, nicht aber in der EU.

Hessens Finanzminister Michael Boddenberg sagte am Dienstag: "Im Moment sollte und kann man keine Geschäfte mit russischen Oligarchen machen." Und weiter: "Es ist ganz sicher so, dass jemand, der dort zum Milliardär wird, jemand ist, der von Putins Gnaden seine Geschäfte führt. Und so jemand darf kein Objekt in Deutschland oder Europa kaufen." Hessen hatte sich bereits vor den Gläubigerversammlungen gegen den Verkauf an Charitonin gewandt. Er habe dem Bundeswirtschaftsminister und dem Kanzleramtsminister einen Brief geschrieben, "mit der herzlichen Bitte und Aufforderung, alle möglichen Wege zu prüfen, wie man diesen Verkauf verhindern kann", sagte Boddenberg.
Hessen hält 17,5 Prozent am Hunsrück-Flughafen. Rheinland-Pfalz hatte seinen Anteil von 82,5 Prozent 2017 an den chinesischen Konzern HNA verkauft. Dieser ging vor zwei Jahren Pleite, infolgedessen auch die Betreibergesellschaft des Hahn.

Die CDU-Fraktion im Landtag warnt vor "fragwürdiger Einflussmöglichkeit". Dass Charitonin bisher nicht unter die EU-Sanktionen falle, sei ein rein formalistisches Argument, sagt Helmut Martin, Wirtschaftsexperte der Fraktion.

(Trierischer Volksfreund vom 07.02.2023)