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Flughafen drückt die Immobilienpreise
Besonders in der Einflugschneise des Hahns sind Häuser oft nur schwer an den Mann zu bringen

HUNSRÜCK. Der Flughafen Hahn hebt ab, die Immobilienpreise bleiben aber am Boden. Besonders in den Gemeinden, die in der Einflugschneise des Airports liegen, haben Eigentümer auf dem Wohnungsmarkt eher schlechte Karten. Wenn sie ihre Häuser überhaupt loswerden, müssen sie oft deutliche Abschläge hinnehmen.

Überall lasse die Nachfrage nach, klagt Annett Schubert. "Aber der Hahn ist für mich als Maklerin das Schlimmste ", betont die Simmerner Geschäftsfrau, "Wer aul den Hunsrück zieht, will Ruhe." Und da ist ein Flughafen um die Ecke ein denkbar schlechtes Verkaufsargument. Selbst in Unzenberg und Heinzenbach lassen sich die Häuser oft nur schwer an den Mann oder die Frau bringen, sagt Annett Schubert.

Auch in Kirchberg gilt: von Boom keine Spur. Ganz im Gegenteil: Auf dem Wohnungsmarkt herrscht Flaute, die Preise sind im Keller. Das geht aus dem neuesten Preisspiegel des Immobilienverbandes Deutschland West (IVD) hervor. Selbst in bester Lage gibt's das Eigenheim demnach schon für schlappe 140 000 Euro so günstig kommt man in fast keiner vergleichbaren Stadt im Land zum Zug. "Die Schallmauer liegt bei 150 000 Euro", bestätigt Annett Schubert.

Die Preise für Baugrundstücke sind in der Stadt auf dem Berge laut IVD gar um bis zu 25 Prozent eingebrochen. Das hängt mit dem Überangebot an Bauplätzen zusammen, vermutet Annett Schubert. "Der Markt ist gesättigt." Der Wegfall der Eigenheimzulage mache der Branche zu schaffen. "Der Bauboom ist vorbei." Auch bei Christel Jakobs hält sich die Euphorie in Grenzen. "Ganz schlecht" bringt sie die Marktlage um den Hahn auf den Punkt. "Da will niemand hin". Immerhin: "In Kirchberg geht's." Aus dem Immobiliengeschäft hat sich die Kirchberger Maklerin schon weitgehend zurückgezogen und sich auf die Vermietung von Objekten konzentriert.

Bei Immobilien Süd-West in Gemünden fällt die Bilanz differenzierter aus. Mit günstigen Häusern lassen sich für Geschäftsführerin Heike Kammritz auch in unmittelbarer Nähe des Hunsrück-Airports noch gute Geschäfte machen. "Bis 100 000 Euro sind die Häuser weggegangen." Dann wird die Luft allerdings äußerst dünn.

Wer mehr auf dem Konto hat, hält offenbar lieber Abstand zum Hahn. "Die Leute achten da schon drauf", sagt Heike Kammritz. "Es gibt viele, die sagen: Fluglärm oh Gott." Diese Klientel zieht es eher runter an die Mosel. Oder eben nach Gemünden. Übrigens: Zu den Kunden der Maklerin gehören auch viele Mitarbeiter internationaler Fluggesellschaften.

Durchwachsen fällt die Bilanz von Manfred Becker aus. Probleme gebe es vor allem in der Einflugschneise, räumt der Leiter der Immobilienabteilung der Volksbank Hunsrück in Simmern ein. "Das ist unumstritten." Würrich, Belg und Lötzbeuren sind derzeit nicht unbedingt die besten Adressen für Immobilien-Geschäfte. "Aber das kann man nicht pauschalieren", so Becker. Ansonsten habe man auch im Umfeld des Hahn viele Verkäufe getätigt vor allem im Segment bis 100 000 Euro, aber durchaus auch darüber hinaus.

Zudem hat sich ein ganz neuer Markt geöffnet. Fürviele Ausländer sind die niedrigen Immobilienpreise im Hunsrück attraktiv, so Becker. Besonders Iren und Engländer seien an Renditeobjekten rund um den Flughafen Hahn interessiert.

(Hunsrücker Zeitung vom 03.04.2007)