The Empire strikes back!
Wer wie die Enkircher und Traben-Trarbacher für die Hunsrücker Bevölkerung den uneingeschränkten Nachtflug mit bis zu 100 d(BA) befürwortet, muss sich nicht wundern, wenn sich in Folge der damit verbundenen Baumaßnahmen Probleme bei der eigenen Wasserversorgung ergeben.

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"Wir sitzen auf einem Pulverfass"
Erneut Zwischenfall mit Abwasser auf dem Hahn

FLUGHAFEN HAHN/TRABEN-TRARBACH. Zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten hat der Flughafen Hahn belastetes Abwasser der Start- und Landebahn in den Waschbach eingeleitet. Grund: Ein Rückhaltebecken konnte die Regenmengen nicht fassen. Die VG Traben-Trarbach hat den Zufluss aus dem Ahringsbach, der vom Waschbach gespeist wird, ins Enkircher Trinkwassernetz unterbunden.

Von unserem Redakteur WINFRIED SIMON

Verbandsbürgermeister Ulrich K. Weisgerber machte gestern gegenüber dem TV seinem Ärger Luft: "Das ist kein Zustand. So kann's nicht weitergehen. Wir sitzen auf einem Pulverfass." Am Donnerstagmittag hatte der Flughafen Frankfurt-Hahn den Bürgermeister telefonisch darüber informiert, dass wegen der starken Niederschläge Wasser aus einem Regenrückhaltebecken, in dem Oberflächenwasser der Start- und Landebahn gesammelt wird, in den Waschbach geleitet wurde (der TV berichtete). Dieser Bach fließt in den Ahringsbach, der zum Teil die Aufbereitungsanlage für das Enkircher Trinkwasser speist.


Zufluss aus dem Bach sofort geschlossen


Der Flughafen hatte im vergangenen Jahr zugesagt, dass das in den Bach eingeleitete Oberflächenwasser einen CSB-Wert (=Chemischer Sauerstoffbedarf als Parameter für den Verschmutzungsgrad) von 50 mg/kg nicht übersteigen werde. Gemessen wurden am Donnerstag aber 132 mg/kg.

Weisgerber ließ daraufhin am Donnerstag sofort den Zufluss aus dem Bach schließen. Die Enkircher werden zurzeit aus der Trinkwasserquelle versorgt. Wie lange diese Menge ausreicht, ist noch unklar. Ferner hat Weisgerber veranlasst, täglich Proben aus dem Bach zu ziehen. Offenbar will er sich auf die Messwerte des Flughafens allein nicht verlassen.

Stefano Wulf, Geschäftsführer der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH, sagte gegenüber dem TV, dass man den Vorfall ernst nehme; man wolle nichts beschönigen. Die Anlage sei ausreichend dimensioniert, sie müsse aber anders eingesteuert werden. Langfristig sei vorgesehen, das Abwasser komplett in eine noch zu bauende Kläranlage zu leiten.

Unterdessen ist die VG Traben-Trarbach bestrebt, die Enkircher über eine alternative Trinkwasserzufuhr zu versorgen. Sie verhandelt derzeit mit dem Zweckverband Eifel/Mosel. Die Enkircher könnten dann über eine Rohrleitung von Burg aus mit Eifelwasser versorgt werden. Dafür braucht der Zweckverband ein zusätzliches Wasserrecht. Dieses muss die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD) erteilen.


Kein anderes Trinkwasser aus Öko-Gründen?


Joachim Gerke, Leiter der Trierer Regionalstelle Wasserwirtschaft der SGD Nord, sieht das aber aus ökologischen Gründen problematisch, weil dies zu Niedrigwasser in der Salm führen könnte mit Folgen für Fische und andere Tier- und Pflanzenarten. Gerke gegenüber dem TV: "Das Problem gibt es seit 20 Jahren. Der Zustand dort darf nicht schlimmer werden, sondern sollte besser werden."

Weisgerber kann darüber nur den Kopf schütteln: "Die gleiche Behörde, die die Einleitung von kontaminiertem Oberflächenwasser der Flughafenrollbahn in das Einzugsgebiet der Enkircher Trinkwassergewinnung erlaubt, versagt uns womöglich aus ökologischen Gründen, Wasser aus der Eifel zu beziehen."

Gegenüber dem TV weist Gerke diese Vermutung allerdings zurück. Gerke: "Das hat mit der VG Traben-Trarbach überhaupt nichts zu tun."


Enkircher bereits Anfang Dezember in Aufregung


Der Vorfall vom Montag ist kein Einzelfall. Bereits Anfang Dezember hatte eine milchige Trübung des Waschbaches die Enkircher in helle Aufregung versetzt (der TV berichtete). Damals war das Regenrückhaltebecken übergelaufen. Der Flughafen hatte daraufhin, wie auch am Donnerstag, eine mit Genehmigung der SGD Nord "kontrollierte Einleitung" in den Bach veranlasst.

Weisgerber weist auf eine andere, für ihn nicht nachvollziehbare Entscheidung der SGD hin. Nach seinen Informationen darf das Oberflächenabwasser des Flughafens Spangdahlem nur mit einem maximalen Grenzwert von 20mg/kg CSB in den Linsenbach eingeleitet werden. Und in diesem Bach befindet sich keine Aufbereitungsanlage für Trinkwasser. j

(Tierischer Volksfreund vom 11.03.2006)