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Die Wahrheit zu Flug LH 9916 oder Lufthansas Märchenstunden

Der Trierische Volksfreund (TV) berichtete am 30.06.2023 unter der Überschrift: LH9916 gibt Rätsel auf: Warum ein Airbus stundenlang über dem Hunsrück kreiste.
Der Redakteur, Herr Hans-Peter Linz, hatte bei der Lufthansa nachgefragt und folgende Antwort erhalten:

"Es sei ein "Werkstattflug" gewesen. Bei der Maschine mit dem Kennung LH9916 handele es sich um einen kürzlich erst wieder reaktivierten Airbus A340-600. Das vierstrahlige Langsteckenflugzeug war wegen der Corona-Krise vorübergehend in Spanien stillgelegt worden und wird nun wieder in Dienst gestellt. Dafür müssen bestimmte Tests ausgeführt werden, für die dem Flugzeug ein bestimmter Flugraum zugeteilt wird. In diesem Fall war der Flugraum in Lautzenhausen ein Ausweichflugraum, weil der ursprüngliche Korridor wegen schlechten Wetters nicht zur Verfügung stand. Generell würde viel am Simulator trainiert aber gewisse Manöver müssten in der Realität geflogen werden, was auch die Flugsicherheit vorschreibe. Dass das ausgerechnet über dem Hunsrück stattfand, sei als Ausnahme zu sehen."

Diese Aussagen haben wir überprüft und sind zu einem ernüchternden Ergebnis gekommen. Sie sind völlig unglaubwürdig und stellenweise geradezu hanebüchen. Die Fakten ergeben eine völlig andere Sachlage.



Aussage der Lufthansa: Werkstattflug und "nun wieder in Dienst gestellt"

Flug LH9916 ist tatsächlich Flug LH9917. Flug LH9917 wurde mit einem Airbus A 340-642 der Lufthansa mit dem Kennzeichen D-AIHW durchgeführt. Dies lässt sich anhand der identischen Flugspuraufzeichnungen erkennen:



LH9917:

LH9916:

Bereits anhand dieser Flugspuraufzeichnung kann selbst ein Laie erkennen, dass es sich nicht um einen "Werkstattflug" gehandelt hat, sondern um "Pilotentraining". Warum sollte auch bei einem "Werkstattflug" stundenlang immer wieder das gleiche Manöver geflogen werden? Das es sich auch nicht um einen "Werkstattflug" einer Maschine, die "nun wieder in Dienst gestellt wird", sondern um eine Maschine, die aus dem Liniendienst für Pilotentraining abgestellt wurde, lässt sich auf nachfolgendem Flugplan des Airbus A340 mit dem Kennzeichen D-AIHW für den Zeitraum vom 23.06. bis zum 30.06.2023 erkennen.

Die D-AIHW flog demzufolge am 23.06.2023 nach New York, am 24.06.2023 nach Bogota und am 25.06.2023 nach Hongkong. Aus Hongkong kommend landete die Maschine - wahrscheinlich verspätet- am 28.06.2023 erst um 07:31 Uhr in Frankfurt.



Aussage der Lufthansa: Schlechte Wetterlage im Korridor

Es war wahrscheinlich zu spät, um den für 09:30 Uhr geplanten Flug mit der Flugnummer LH 9916 nach Ingoldstadt, tatsächlich Manching, wie geplant durchzuführen. Deswegen wurde der Flug auf den Nachmittag und zum Flughafen Frankfurt-Hahn verlegt. Das mit dem schlechten Wetter im Korridor" halten wir für eine billige, leicht zu durchschauende Ausrede. Unsere Recherche hat keinen Anhaltspunkt für Schneefall, Blitzeis, monsunartige Regenfälle oder einen Hurrikan am 28.06.2023 im Raum Ingoldstadt ergeben.

Nach Rückkehr von den Platzrundenflügen/wiederholten Flügen in Hahn kehrte die D-AIHW um 17:10 Uhr nach Frankfurt zurück und flog bereits am gleichen Tag um 20:50 wieder nach Hongkong. Seitdem flog die Maschine jeweils einmal nach Bogota und nach Hongkong.
Auch dies widerspricht der Aussage: "wird nun wieder in Dienst gestellt".



Aussage der Lufthansa: Flug über dem Hunsrück war Ausnahme

Auch die Aussage, dass der Flug über dem Hunsrück als Ausnahme zu sehen sei, ist unwahr. Es handelt sich nicht um einen extrem seltenen Einzelfall. Mit der gleichen Maschine - Airbus A 340-642, Kennzeichen D-AIHW- wurden bereits am Donnerstag, den 04.05.2023 in der Zeit von 11:30 - 14:15 Platzrundenflüge/wiederholte Anflüge (go-around und touch and go) im Rahmen des Pilotentrainings am Hahn durchgeführt.



Auch am 07.06.2023 betrieb die Lufthansa in der Zeit vom 09:00 - 11:45 mit einem Airbus A 340-642, allerdings mit dem Kennzeichen: D-AIHZ stundenlanges Pilotentraining mit dem gleichen Flugmustern wie am 28.06.2023.

Weiteres Pilotentraining der Lufthansa gab es bspw. am 27.04.2023 in der Zeit von 08:30 - 10:05 mit einer Boeing B747-400 und am 20.05.2023 von 08:40 - 11:10 mit einem Airbus A 330-343.



Zweite Maschine der Lufthansa am 28.06.2023 im Luftraum

Offensichtlich ist dem Trierischen Volksfreund bei seiner Recherche nicht aufgefallen, dass parallel zu dem Airbus A340-642 eine weitere Lufthansa-Maschine in niedriger Höhe am Flughafen Frankfurt-Hahn fast den ganzen Tag Runden drehte.

Denn, am Mittwoch, den 28.06.2023 flog ein Airbus A 319-212 der Lufthansa mit dem Kennzeichen D-AIBG ab 09:39 mit kurzen Unterbrechungen bis 17:15 immer wieder im Oval. Ein typisches Zeichen für Pilotentraining. Am nächsten Tag ging es mit der gleichen Maschine dann nochmals von 09:04 - 11:55 Uhr. Auch diese Maschine war aus dem normalen Liniendienst für das Pilotentraining herausgezogen worden.



Mitglieder der Fluglärmkommission untätig?

Dass Besondere an diesen Flügen ist, wie aus den Flugaufzeichnungen unschwer zu erkennen, dass der Flugbetrieb fast ausschließlich auf der Moselseite des Flughafen Frankfurt-Hahn stattfindet. Überflogen werden dabei ausschließlich Gemeinden der VG Kastellaun, VG Zell, VG Traben-Trarbach und der VG Bernkastel-Land. Alle deren Bürgermeister sind Mitglied der Kommission zum Schutz des Fluglärms am Flughafen Frankfurt-Hahn.



Resümee der BI

Zusammengefasst ist die Bürgerinitiative gegen den Nachtflughafen Hahn der festen Überzeugung, dass die Aussagen der Lufthansa unglaubwürdig sind und wie plumpe, durch Überheblich geprägte Ausreden nach dem Motto "Die haben sowieso keine Ahnung" und "Denen kann man erzählen, was man will." erscheinen.
Die Lufthansa ist nicht umsonst bekannt für ihre Arroganz, Überheblichkeit und ihre Hochnäsigkeit.
Warum die Lufthansa überhaupt eine solche Aneinanderreihung von Unwahrscheinlichkeiten/Unwahrheiten präsentiert hat und nicht zu ihrem Platzrundentraining steht, erschließt sich uns nicht.

Wir können es uns nur so erklären, dass sich die Lufthansa mehr Verständnis in der Bevölkerung für einen Ausnahmetatbestand wie einen "einzelnen Werkstattflug" erhofft, als für stundenlanges nervtötendes Pilotentraining mit Überflügen im Minutentakt.
Lufthansa fliegt den Flughafen Hahn nicht im regulären Betrieb an, schafft mit ihrer Kreisfliegerei keine Arbeitsplätze und hinterlässt der Bevölkerung auf der Moselseite des Hahns lediglich ihren Lärm und ihre Abgase.



Befürchtungen weit übertroffen - Verkommt der Hahn zum Übungsflughafen für Pilotentraining?

Die Befürchtungen der BI gegen den Nachtflughafen Hahn, dass nach der Übernahme des Flughafens Frankfurt-Hahn durch die Trierer Unternehmensgruppe "TRIWO" unter der Leitung des DIHK-Präsidenten und Hobbyfliegers, Peter Adrian, der Übungsflugbetrieb in der Platzrunde, mit wiederholten An- und Überflügen und sonstige Flugmanöver sich steigern würde, sind bei weitem übertroffen.



Bürgerinitiative gegen den Nacht- und Übungsflughafen Hahn?

Die BI gegen den Nachtflughafen Hahn hatte damit gerechnet, dass der Flugbetrieb der sogenannten "Allgemeinen Luftfahrt", also mit kleinen Knatterern, Brummern und alten Knatterkisten zunehmen werde. Schließlich betreibt TRIWO die Flugplätze Egelsbach und Zweibrücken, deren Schwerpunkt die "Allgemeine Luftfahrt" ist. Dass seit der Übernahme durch die Firmengruppe von Herrn Adrian und der Wahrnehmung der Geschäftsleitung durch Herrn Franke der Platzrunden/Übungsflugbetrieb durch Lufthansa, Condor und die Flugbereitschaft BMVG in einem solchen Maß zunehmen würde, hätten wir nicht erwartet. Seinem Ruf als seriöser Geschäftsmann, dem seine Heimat und das Wohl der Bevölkerung am Herzen liegen soll, wird Herr Adrian aus unserer Sicht bisher nicht gerecht.
Müssen wir vielleicht demnächst unseren Namen in: Bürgerinitiative gegen den Nacht- und Übungsflughafen Hahn ändern.

(Newsletter der BI Nachtflughafen Hahn vom 03.07.2023)