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Hessische Regierung kritisiert Lufthansa-Chef
Scharfe Auseinandersetzung um Flughafenausbau und Nachtflugverbot

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RHEIN-MAIN (utz. / dpa) Der Bau einer Nordwest-Landebahn am Frankfurter Flughafen und das geplante Nachtflugverbot für Rhein-Main haben gestern zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen der hessischen Landesregierung und Lufthansa-Chef Weber geführt. Regierungssprecher Dirk Metz unterstrich: "Der Flughafenausbau bringt gerade der Lufthansa große Entwicklungsmöglichkeiten, aber im Gegenzug muss es für die Region das Nachtflugverbot geben." Wirtschaftsminister Posch warf der Lufthansa "mangelnde Sensibilität" vor.

Lufthansa-Chef Jürgen Weber hatte gestern bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Fraport-Vorstandschef Wilhelm Bender Kritik an einem Nachtflugverbot geäußert. Lufthansa dränge nach der ersten Entscheidung im Genehmigungsverfahren für eine neue Landebahn auf schnelle weitere Schritte zum Ausbau.

Jetzt müsse zügig das Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden, sagte Weber. Ein absolutes Nachtflugverbot lehnte er erneut ab. Und einer Verknüpfung der Flughäfen Frankfurt und Hahn im Hunsrück erteilte Weber eine klare Absage. Dies wäre eine "kalkulierte Verbrennung von Steuergeldern".

Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) warf Weber daraufhin mangelnde Sensibilität für die Probleme der Bevölkerung vor. "Wer apodiktisch erklärt: Kein Nachtflugverbot, bei dem habe ich erhebliche Zweifel, ob er es ernst meint mit einem fairen Interessenausgleich." Die Landesregierung sei entschlossen, das Mediationsergebnis zum Flughafenausbau umzusetzen, sagte Posch im Landtag: "Dazu gehört auch ein Nachtflugverbot."

Lufthansa-Chef Weber ergänzte, über die Zahl notwendiger Flüge in der Nacht könne man sprechen. "Viel wichtiger ist aber, dass mit leiseren Flugzeugen operiert wird. Davon haben die Menschen auch am Tage etwas." Ein absolutes Nachtflugverbot führe aber zu "erheblichen wirtschaftlichen Risiken". Wenn dennoch ein absolutes Verbot käme, würde die Lufthansa dagegen klagen.

Zu dem von Hessen, Rheinland-Pfalz und der Flughafengesellschaft Fraport geplanten Flughafenssystem Frankfurt und Hahn meinte Weber weiter: "Die Umsteigezeiten sind wegen der Entfernung von 120 Kilometern nicht wettbewerbsfähig zu gestalten." Regierungssprecher Metz sagte dagegen, die Verknüpfung sei einer der Eckpunkte für die Verwirklichung des Nachtflugverbots in Frankfurt. Nächtliche Starts und Landungen könnten dem Modell zufolge nach Hahn verlagert werden.

Fraport-Vorstandschef Wilhelm Bender warnte am Donnerstag die Stadt Frankfurt vor einer Klage gegen eine neue Landebahn im Nordwesten. "Wer gegen diese Variante klagt, klagt gegen den Ausbau." SPD, Grüne und "FlughafenAusbauGegner" im Stadtparlament wollen erreichen, dass die Stadt dagegen juristisch vorgeht. Der Magistrat hat bisher eine Bahn im weiter von Frankfurt entfernten Süden des Geländes befürwortet.

Wiesbadener Tageblatt vom 14.06.2002

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